1. Panorama

Schilling ernsthaft krank: US-Regierung appelliert an Entführer auf den Philippinen

Schilling ernsthaft krank : US-Regierung appelliert an Entführer auf den Philippinen

Zamboanga (AP). Die US-Regierung hat an die Geiselnehmer auf den Philippinen appelliert, den vor wenigen Tagen verschleppten Amerikaner Jeffrey Schilling aus humanitären Gründen freizulassen.

Zamboanga (AP). Die US-Regierung hat an die Geiselnehmer auf den Philippinen appelliert, den vor wenigen Tagen verschleppten Amerikaner Jeffrey Schilling aus humanitären Gründen freizulassen.

Schilling sei ernstlich krank und brauche regelmäßig Medikamente, erklärte die US-Botschaft am Donnerstag. Dies habe die Regierung von der Familie Schillings erfahren. Einer der Führer der Moslemgruppe Abu Sayyaf, in dessen Gewalt noch 18 Geiseln auf der Insel Jolo sind, wies die Verantwortung für die Entführung Schillings zurück. Sie beeinflusse auch nicht die erwartete Freilassung der sechs europäischen Geiseln am Wochenende, sagte der philippinische Chefunterhändler Robert Aventajado.

Schilling wird von einer Splittergruppe der Abu Sayyaf festgehalten, die bereits im März etwa 50 Schulkinder und Lehrer entführt hatte. Die Mutter Schillings beschwor die Geiselnehmer am Donnerstag, ihren Sohn freizulassen. In einem Telefonat mit dem philippinischen Sender DXRZ bat sie die Entführer, mit dem Verschleppten sprechen zu dürfen.

Die Abu-Sayyaf-Gruppierung will in Kürze ihre Forderungen zur Freigabe Schillings vorlegen, darunter vermutlich die nach Freilassung mehrerer arabischer Terroristen in US-Gefängnissen. Die US-Regierung hat Lösegeldzahlungen, politische Zugeständnisse und die Freilassung von Gefangenen abgelehnt. Die Geiselnehmer boten der US-Botschaft Verhandlungen unter Teilnahme von Vertretern aus Nordkorea, China, Irak, Saudi-Arabien und Libyen an. Sie drohten aber auch damit, Schilling zu enthaupten, falls die Regierung militärisch eingreife. Die philippinische Regierung habe entschieden, zunächst auf eine Verhandlungslösung zu setzen, verlautete aus Behördenkreisen. Ein dritter Staat solle daran jedoch nicht beteiligt werden, sagte Präsidialamtssekretär Ronaldo Zamora.

Der Ruf nach einer militärischen Aktion war in den vergangenen Tagen lauter geworden. "Diese Sache hat sich zu einer Drehtür entwickelt: Geiseln gehen rein, andere kommen raus", sagte Verteidigungsminister Orlando Mercado. "Ich denke, wir sollten diese Tür bald schließen."

Schilling war laut Abu Sayyaf am Montag auf Mindanao verschleppt worden. Die Entführer bezeichnen ihn als CIA-Agenten. Nach Angaben der US-Regierung belegte Schilling an der Universität von Berkeley in Kalifornien asiatische Studien. Er sei vor Jahren zum Islam konvertiert und habe die Philippinen aus großem Interesses an der Region besucht, erklärte Schillings Mutter. Der Entführte hielt sich seit Anfang März auf den Philippinen auf und ist mit einer Philippinerin befreundet, die nach Auskunft ihrer Mutter mit einem der Abu-Sayyaf-Mitglieder verwandt ist.

(RPO Archiv)