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UN-Bericht: 17 Prozent der verkauften Lebensmittel landeten 2019 im Müll

UN-Bericht : Fast ein Fünftel der verkauften Lebensmittel landet weltweit im Müll

Vor allem in privaten Haushalten werden zu viele Lebensmittel weggeworfen. Zugleich gehen 700 Millionen Menschen hungrig ins Bett. Der Food Waste Index soll Ländern helfen, das Problem zu lösen.

Weltweit sind rund 17 Prozent der verkauften Lebensmittel laut einem neuen UN-Bericht 2019 im Müll gelandet. Damit endeten fast eine Milliarde Tonnen Lebensmittel in Mülleimern von Privathaushalten, Restaurants, Einzelhandel und anderen Essensanbietern - weit mehr als bisher angenommen, erklärte die UNO. Zugleich gingen fast 700 Millionen Menschen jede Nacht hungrig ins Bett.

"Bisher wurde die Lebensmittelverschwendung als ein Problem der reichen Welt angesehen", sagte Mitautorin Clementine O'Connor, Ernährungs-Expertin des UN-Umweltprogramms. Der Bericht zeige jedoch, dass die Lebensmittelabfälle der Haushalte ein globales Problem seien. Von den 121 Kilogramm Lebensmitteln, die pro Kopf weggeworfen werden, wird dem Bericht zufolge mehr als die Hälfte - 74 Kilo - von Privathaushalten entsorgt.

Der Bericht konzentriert sich ausschließlich darauf, was mit den Lebensmitteln auf der Verbraucherebene passiert, und nicht auf die Lebensmittel, die während der Produktion, Lagerung oder Verteilung verschwendet oder verloren gehen. Der daraus resultierende Food Waste Index soll den Ländern weltweit helfen, das Problem innerhalb ihrer Grenzen in den Griff zu bekommen.

"Wenn Lebensmittelverlust und -verschwendung ein Land wären, wäre es der drittgrößte Emittent von Treibhausgasemissionen auf dem Planeten", sagte einer der Mitautoren des Berichts, Richard Swannell von der Organisation Waste and Resources Action Programme (WRAP). "Man muss das Lebensmittelsystem in Ordnung bringen, wenn man den Klimawandel in den Griff bekommen will."

Die Umweltschutzorganisation WWF forderte ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Verschwendung auch in Deutschland. "Lebensmittelverschwendung ist Raubbau an der Natur und befeuert die Klimakrise", sagte Kerstin Weber, Referentin für Agrarökologie beim WWF. Laut der Strategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft könnten bei einer 50-prozentigen Reduzierung der Lebensmittelabfälle jährlich rund 38 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in Deutschland eingespart werden. Das sei mehr als die Hälfte der gesamten Treibhausgasemissionen aus dem Bereich Landwirtschaft.

Das Thema Lebensmittelverschwendung wird auch auf dem ersten UN-Gipfel zu Ernährungssystemen behandelt, der im September oder Oktober stattfinden soll. Eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, die weltweite Pro-Kopf-Verschwendung von Lebensmitteln auf der Ebene des Einzelhandels und der Verbraucher bis 2030 zu halbieren.

(juju/AFP)