Über Facebook nach Organspender suchen

Amsterdam: Mann sucht Organspender über Facebook

1248 Namen stehen in Belgien auf der Warteliste für Spenderorgane. Drei Jahre müssen Patienten im Schnitt auf eine Spenderniere warten. Roel Marien (39) sagt, er habe diese Zeit nicht, und machte sich selbst auf die Suche nach einem Organspender. Damit trat er eine Diskussion los. Denn normalerweise werden Organe von Verstorbenen gemäß einer Liste von Eurotransplant vergeben. Familienmitglieder und manchmal auch nahestehende Personen können sich zu einer Lebendspende bereiterklären. Die Spende durch Facebook-Freunde sehen viele kritisch.

Marien suchte über das soziale Netzwerk eine Niere von einem lebenden Spender. Acht Menschen meldeten sich. Mariens Ärzte aber wollten vorerst nicht operieren. "Jemand, der in sozialen Medien gut rüberkommt oder sehr aktiv ist, hat größere Chancen auf ein Spenderorgan", sagte der ärztliche Direktor der Uniklinik Leuven, Johan van Eldere, der niederländischen Zeitung "Trouw". Die Fähigkeit, sich selbst zu vermarkten, solle aber bei der Organspende keine Rolle spielen. Steven Vanderschueren, der als Internist in Leuven an der Beurteilung der Spende-Kandidaten beteiligt ist, sagt, es hätte Unruhe unter Patienten gegeben, die auf eine Spenderniere warten. Viele von ihnen hätten keinen Zugang zu sozialen Medien. "Die Mentalität ,Wer am lautesten schreit, bekommt als erster' geht gegen ihr Gerechtigkeitsempfinden", sagt Vanderschueren. Nun steht die Frage im Raum: Sollen auch Facebook-Freunde zu Organspendern werden? Die belgischen Ärzte wollen nicht operieren, solange es keine Regeln für diese Fälle gibt.

Brisanz bekommt der Fall, weil in den Niederlanden vor kurzem eine Transplantation zwischen Facebook-Freunden stattfand. Erardo Kea hatte dort einen Aufruf veröffentlicht, er suche einen Nieren-Spender. Auch er fand auf diesem Wege ein Organ - viel schneller als über das zentrale Vergabesystem. Die Operation fand im Januar statt. Das Uniklinikum Amsterdam sieht darin kein Problem: "Für uns macht es keinen Unterschied, wie der Kontakt zustande gekommen ist", sagt Marc van den Broek, Sprecher der Uniklinik. Professor Wolfgang Eckart vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg hingegen fürchtet die Gefahr der Kommerzialisierung und des Organhandels.

(epd)
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