„Tatort: Das Nest“ aus Dresden - Heimspiel für „Tatort“-Neuling

„Tatort: Das Nest“ aus Dresden : Ein Heimspiel für einen „Tatort“-Neuling

Cornelia Gröschel ersetzt ab heute Abend Alwara Höfels im Krimi aus Dresden. Ihr Einstand ist vielversprechend.

Zum ersten Mal scheint es wirklich Sinn zu machen. Das Zurückgezogene, das Verschlossene, die ewige Skepsis, das leicht Motzige, das Kommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) stets umgibt. Jetzt, im aktuellen „Tatort“ aus Dresden, wirkt wegen der Handlung endlich stimmig, was vorher immer irgendwie nervte.

Bei einem schaurigen Einsatz mitten im Wald wird Gorniak durch einen Messerstich so schwer verletzt, dass sie monatelang ausfällt und danach traumatisiert ist, das aber natürlich nicht zugibt. Ihre neue Kollegin Leonie Winkler (gespielt von Cornelia Gröschel) hätte den Täter stoppen können, hätte sie geschossen. Sie macht sich deswegen Vorwürfe, die Kollegen sagen nichts, aber Winkler spürt, dass auch sie ihr im Stillen Vorhaltungen machen. Die Ermittlungen geraten extrem ins Stocken – Gorniak, die sich zum Innendienst in die Asservatenkammer hat versetzen lassen, ist die Einzige, die den Täter identifizieren könnte. Erst lehnt sie ab, als Winkler sie um Hilfe bittet, doch dann begreift sie: Die verdammten Alpträume werden nicht aufhören, die Panik wird sich nicht legen, so lange der Mensch frei herumläuft, der ihr das Messer in den Bauch gerammt hat.

Nach einer Gegenüberstellung läuft es bei den Hauptverdächtigen auf den Chirurgen Dr. Christian Mertens (ein sehr guter Benjamin Sadler) und den Krankenpfleger Bernd Haimann (Wolfgang Menardi) heraus. Winkler und Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) halten Haimann für den Täter, nachdem dieser plötzlich verschwindet. Gorniaks Intuition sagt, dass es Mertens war – der allerdings hat dank seiner Gattin ein Alibi. Gorniak, die Kommissarin mit dem verdammt guten Bauchgefühl, beginnt an sich zu zweifeln, und auch ihre Kollegen glauben ihr nicht. Bis es fast zu spät ist.

Bislang war ein Problem in Dresden, dass man nie so recht verstanden hat, warum die Alleinerziehende Karin Gorniak so verbittert ist, und woher diese ganze Verschlossenheit eigentlich kommt. Auch das Zusammenspiel mit ihrer früheren Kollegin Henni Sieland (Alwara Höfels) passte nicht perfekt: Zusammen waren die beiden zu anstrengend, wirkte das Ganze zu angestrengt. Jetzt, in „Das Nest“, passt Karin Gorniaks Verfassung zu dem, was der Kommissarin in dieser Episode widerfährt. Nach dem Wechsel im Ensemble wird interessant, wie die knarzige Gorniak zu der zurückhaltenden, im Schatten ihres großen Ermittler-Vaters stehenden Leo Winkler passt, die ihr Wissen von der Polizeiakademie und aus Büchern hat, aber noch nicht gelernt hat, Intuition zu entwickeln und auf sie zu hören.

Wie ihr Sonntagabend verlaufen soll, weiß Cornelia Gröschel – übrigens wie Hauptdarsteller Martin Brambach in Dresden geboren und aufgewachsen – schon jetzt. Sie hat viele ihrer Freunde angeschrieben, sich mit ihnen zum gemeinsamen „Tatort“-Gucken verabredet. Das Handy will sie an diesem Abend ausschalten: „Ich will nicht wissen, wie die Leute in den sozialen Medien das so finden und diskutieren.“

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