Nachlese zum „Tatort: Die ewige Welle": Viel Persönliches, wenig Krimi

Nachlese zum „Tatort: Die ewige Welle“ : Viel Persönliches, wenig Krimi

Der Münchner „Tatort“-Kommissar trifft auf einen Jugendfreund: Mikesch wurde lebensgefährlich verletzt und türmt aus der Klinik. Dann macht Franz Leitmayr falsch, was er falsch machen kann. Und Batic greift nicht ein – leider.

Worum ging es? Surfer Mikesch (Andreas Lust) wird auf dem Heimweg von einem Junkie lebensgefährlich verletzt. Aus dem Krankenhaus flieht er nach der Befragung durch die zwei Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec), denn er plant ein großes Drogen-Ding. Er braucht 50.000 Euro, um das Medizinstudium seiner Tochter zu finanzieren.
Worum ging es wirklich? Um Freundschaft und das Gefühl junger Erwachsener, alles erreichen zu können. Franz Leitmayr war früher mit Mikesch befreundet, sie teilten sich die Frau, die schöne Frida (Ellen ten Damme), und ihre Träume als wilde Surfer in Portugal 1984. 35 Jahre später haben sie sich längst aus den Augen verloren: Mikesch ist ein Freigeist geblieben, Leitmayr bayerischer Kripobeamter geworden. Ein Spießer sei er geworden, sagt der Kommissar selbst über sich.

Wie war es? Ziemlich überfrachtet. Es gab die persönliche Geschichte des Kommissars, einen Kriminalfall, Skizzen unterschiedlicher Drogendealer-Milieus, mit Mikesch ein Porträt eines im Leben Gescheiterten, der sich durchs Leben wurschtelt. In vielen Rückblenden erinnert sich Leitmayr an den Sommer damals, dann trifft er Frida wieder, und er muss sich Gedanken darüber machen, ob er womöglich der Vater von deren Sohn ist. Auch Mikesch kommt dafür in Frage. Wer der Vater ist, bleibt zum Glück am Ende ungeklärt. Die Kommissare sind sehr mit sich selbst beschäftigt. Batic hat Rücken und lässt seinen Kollegen deshalb fast ungehindert gewähren, was am Schluss zur Katastrophe führt. Und die obligatorische Schießerei gibt es auch noch.

 Was war ärgerlich? Mikesch soll lebensgefährlich verletzt sein und springt, läuft und hüpft durch den Fall, dass es eine Freude ist. Ab und zu verzieht er vor Schmerz das Gesicht, das war es aber schon.

 Wer war der heimliche Star der Folge? Hasch-Dealer Heinrich (gespielt von Michael Tregor) ist der liebenswerte und gutmütige Freak, der Mikesch bei seinem Drogen-Coup helfen soll und damit heillos überfordert ist. Obwohl er weder mit dieser Art von Drogen, hochdosierte Schmerzpflaster, noch mit dem Drahtzieher etwas zu tun haben will, muss er am schlimmsten für die Pläne seines Kumpels büßen.  Ein Handlanger eines osteuropäischen Drogen-Chefs bricht ihm nach und nach alle Finger, damit Mikesch seine Pläne preisgibt. Am Ende pustet der Ganove ihm noch zum Trost auf die Hand. Und Heinrich muss wohl den besten Stoff von ganz München haben: Denn mit seinem gebrochenen Fingern kann er trotzdem auf einem Fahrrad vor den Kommissaren fliehen - er kennt keinen Schmerz.

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