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Bericht der Untesuchungskommission: Tupolew-Abschuss durch ukrainische Rakete bestätigt

Bericht der Untesuchungskommission : Tupolew-Abschuss durch ukrainische Rakete bestätigt

Moskau (rpo). Das vor einer Woche ins Schwarze Meer abgestürzte russische Flugzeug vom Typ Tupolew 154 ist nun doch von einer ukrainischen Rakete abgeschossen worden. Dies bestätigte der Vorsitzende der Untersuchungskommission.

Die in den Flugzeugtrümmern entdeckten Splitter stammten vom Sprengkopf einer Rakete, sagte der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Wladimir Ruschailo, am Freitag in Sotschi. Auch die Ukraine akzeptierte die von Experten seit Tagen vermutete Ursache für den Absturz der von Tel Aviv nach Nowosibirsk fliegenden Maschine mit 78 Menschen an Bord.

Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Jewgeni Martschuk, sagte in Sotschi, die Untersuchung sei zu dem vorläufigen Schluss gekommen, eine ukrainische Flugabwehrrakete S-200 habe das Flugzeug am vergangenen Donnerstag getroffen. "Das ist eine echte menschliche Tragödie", betonte Martschuk. Kiew hatte bislang ungeachtet aller Hinweise eine Schuld des eigenen Militärs ausgeschlossen. Nach vorläufigen Erkenntnissen wurde die Rakete bei einem Übungsschießen auf der 200 Kilometer entfernten Halbinsel Krim abgefeuert.

Die von dem Abschuss betroffene russische Fluggesellschaft "Sibir" kündigte an, die ukrainischen Streitkräfte auf einen Schaden von mindestens zehn Millionen Dollar (11 Millionen Euro/21,7 Millionen Mark) zu verklagen. Das teilte der Firmensprecher Michail Koschman nach Angaben der Agentur Itar-Tass in Nowosibirsk mit.

Ukrainische Militärs hatten über Tage behauptet, sie hätten die Boden-Luft-Raketen vom Typ S-200 nur in einem Umkreis von 40 Kilometern eingesetzt. Zudem sei die Tupolew zu einem Zeitpunkt explodiert, der sich nicht mit den Abschusszeiten der Übungsraketen in Einklang bringen lasse.

Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma ordnete die Bildung einer eigenen Untersuchungskommission an. Kutschma wies am Donnerstag ein Rücktrittsgesuch seines Verteidigungsminister Alexander Kusmuk mit der Begründung zurück, er wolle erst das Ergebnis der Kommission abwarten. Ukrainische Raketentruppen hatten bereits im April 2000 irrtümlich ein Wohnhaus in einem Vorort von Kiew beschossen und fünf Menschen getötet. Auch damals war eine Schuld der Militärs über Tage dementiert worden.

(RPO Archiv)