Neue Spekulationen über Tatmotiv: Trauerstätte für ermordete Polizisten geschändet

Neue Spekulationen über Tatmotiv: Trauerstätte für ermordete Polizisten geschändet

Dortmund (dpa). Die Trauerstätte für die ermordeten Polizisten (Foto) am Dortmunder Tatort ist geschändet worden. Holzkreuze wurden umgestürzt, Blumen und Kerzen durcheinander geworfen, berichtete die Polizei in Dortmund am Samstag. An einer nahen Mauer seien in der Nacht zudem die Parolen "Scheiß Bullen! Krepieren sollen sie alle! Elendig!" aufgesprüht worden. Die Kriminalpolizei habe Spuren gesichert, der Schriftzug sei entfernt worden.

NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) zeigte sich entsetzt: "Diese menschenverachtenden Taten und der offensichtliche Hass gegen Polizeibeamte sind für mich unfassbar", sagte Behrens in Düsseldorf. Am Mittwoch hatte ein Mann bei einer Amokfahrt drei Polizisten in Dortmund und Waltrop erschossen und eine Beamtin schwer verletzt. Der 31-Jährige erschoss sich schließlich selbst. Bereits am Donnerstag war in Anspielung auf die Tat in Münster eine ähnliche Hassparole gesprüht worden.

Zwei Tage nach den Polizistenmorden im Ruhrgebiet hat es am Freitag neue Spekulationen um das Motiv des Amokschützen gegeben. Der 31-jährige Dortmunder Michael Berger soll nach Aussagen seiner ehemaligen Freundin schon immer einen grenzenlosen Hass auf Polizisten gehabt haben. In einem Interview mit dem Fernsehsender RTL sagte die Frau am Freitag, Berger habe schon vor Jahren eine Bluttat angekündigt.

Die „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe) zitierte einen Freund des Dortmunders, wonach Polizisten für Berger Feindbilder gewesen seien, weil seine Freundin ihn mit einem Beamten betrogen habe. Die Frau dementierte den „Bild“-Bericht. Sie sei vor der halbjährigen Partnerschaft mit Berger mit einem Beamten liiert gewesen.

Die Staatsanwaltschaft geht diesen Aussagen nach. „Wir haben aber noch keine Ergebnisse“, sagte ihr Sprecher Bernhard Düllmann der dpa am Freitag in Dortmund. Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass der psychisch labile Berger sich in der Polizeikontrolle in die Enge getrieben fühlte und durchgedreht hat. Nach den Todesschüssen auf die drei Polizisten in Dortmund und Waltrop am Mittwoch erschoss sich der 31-Jährige. Berger soll seiner Ex-Freundin vor rund fünf Jahren gesagt haben: „Wenn ich gehen muss, werde ich so viele Polizisten mit in den Tod nehmen, wie ich kann.“ Die Frau attestierte ihrem Ex-Freund in dem Interview einen Hang zur Gewalttätigkeit. Bei der Trennung sei er plötzlich auf sie losgegangen, habe sie geschlagen und sie mit einem Elektroschocker bedroht. Ein Nachbar habe ihre Hilferufe jedoch gehört und eingegriffen.

Außerdem soll der 31-jährige seit langem psychisch krank gewesen sein. „Er war unheimlich wankelmütig. Erst völlig normal, dann ist er einfach durchgeknallt.“

Am Donnerstag hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mitgliedsausweise Bergers für die rechtsextremitische Deutsche Volksunion (DVU) und die ebenfalls rechtsgerichteten Republikaner gefunden. Beide Parteien teilten mit, dass Berger zum Zeitpunkt der Tat aber kein Mitglied mehr war. Die Staatsanwaltschaft hatte allerdings zuvor auch geäußert, dass in Bergers Zugehörigkeit zur rechten Szene keine Ursache für die Tat zu sehen sei.

Unterdessen forderte die International Police Association (IPA) eine Überprüfung der Waffengesetze in Deutschland. „Es muss deutlich die Frage gestellt werden, ob der Staat alles getan hat, um den ungesetzlichen Zugriff auf Schusswaffen zu unterbinden und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um ähnliche Taten in Zukunft zu vermeiden“, forderte der 16 000 Mitglieder starke Landesverband NRW in Bochum.

Der Präsident der IPA Deutschland, Hans Jürgen Konopka, appellierte an die Politik, Polizisten nicht die lebensnotwendige Ausrüstung zu verweigern. Lediglich in Sachsen und Hessen gehöre die leichte Unterziehschutzweste zur persönlichen Ausstattung bei Einsatzbeamten. „Die Kollegen verlangen diese leichten Westen, die auch eine ganze Schicht über getragen werden können“, sagte Konopka der dpa in Essen.

Die Gewerkschaft der Polizei will am Montag mit einem Schweigemarsch durch die Dortmunder Innenstadt der drei ermordeten Kollegen gedenken. Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet werden dazu erwartet. Die zentrale Trauerfeier für die Opfer ist um 14.00 Uhr in der Polizei-Fortbildungsstätte in Selm nördlich von Dortmund geplant.

(RPO Archiv)