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Hannelore Kohl ist tot: Tiefe Betroffenheit in Ludwigshafen

Hannelore Kohl ist tot : Tiefe Betroffenheit in Ludwigshafen

Ludwigshafen (rpo). In dem kleinen Einfamilienhaus der Familie Kohl im ruhigen Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim wurde über viele Jahre Weltpolitik gemacht. Der einstige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) empfing dort hohe Staatsgäste wie Boris Jelzin und Bill Clinton in privatem Ambiente. Am Donnerstag stand der Bungalow erstmals seit der Abwahl des Regierungschefs Ende 1998 wieder im Rampenlicht, und der Grund war traurig.

Eine Haushaltshilfe hatte die Ehefrau des Altkanzlers, Hannelore Kohl, am Morgen tot in der Wohnung gefunden.

Weit über den Bekanntenkreis und Parteigrenzen hinaus herrschte in Ludwigshafen Betroffenheit, als der Tod der zuletzt sehr zurückgezogen lebenden Gattin des Ex-Kanzlers bekannt wurde. "Die Frau hatte ein hohes Ansehen in der Stadt. Es war keine Figur, an der sich die Leute gerieben haben", sagte ein alteingesessener Ludwigshafener aus der Nachbarschaft. Insbesondere mit ihrem stets freundlichem Auftreten und dem Engagement für Schädel- und Hirnverletzte habe sich Hannelore Kohl Ansehen und Respekt erworben.

"Das hat mich schockiert", meinte eine Anwohnerin. "Es geht mir sehr nah. Ich weiß nicht, was da los war, ich will aber auch nicht spekulieren." Hannelore Kohl sei in Oggersheim beliebt gewesen. "Sie hat viel für die Behinderten getan." Andere Nachbarn erfuhren von Polizei und Journalisten, dass die 68-Jährige tot ist. Dutzende von Polizisten hatten die Marbacher Straße im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim, in der der weltbekannte Bungalow steht, beidseitig abgeriegelt. Der Blick auf das Haus war versperrt. Nur die direkten Nachbarn wurden noch durch die Absperrgitter gelassen.

"Ich weiß nicht, wie sie gestorben ist. Wisst ihr mehr?", fragt ein Jugendlicher mit Skateboard die Polizisten an der Absperrung. Gerüchte über die Todesursache wurden diskutiert, aber auch das Verhältnis der Eheleute. Helmut und Hannelore Kohl legten von jeher größten Wert auf ihre Privatsphäre. Die Rollläden zur Straßenseite waren immer herunterlassen. Eine Polizeiwache neben dem Bungalow sorgte am Donnerstag dafür, dass Journalisten und andere Unbefugte nicht an der Haustür klingelten. "Nicht mal wir durften klingeln, um Gottes Willen", sagte eine junge Polizistin.

Vor Ort war am frühen Nachmittag nicht einmal klar, ob Helmut Kohl bereits aus Berlin eingeflogen worden war. "Die Familie bittet aus Pietätsgründen um äußerste Zurückhaltung", sagte ein Polizeisprecher. "Wir haben zur Zeit keine Informationen abzugeben." Sicher war zu diesem Zeitpunkt nur, dass Hannelore Kohl seit Jahren an einer schweren Lichtallergie litt. Sie hatte in den vergangenen Monaten mehrere öffentliche Auftritte abgesagt. Nicht einmal an der Hochzeit ihres Sohnes Peter in der Türkei nahm sie teil.

(RPO Archiv)