Mosambik: Deutsche Hilfe rollt an: Tausende Tote durch Hochwasser?

Mosambik: Deutsche Hilfe rollt an : Tausende Tote durch Hochwasser?

Maputo/Johannesburg (dpa). Tausende Menschen sind nach Angaben von Hilfsorganisationen in der Wasserwüste von Mosambik ums Leben gekommen. Bis zu zwei Millionen Einwohner des südafrikanischen Landes seien Opfer der Fluten geworden und hätten ihr Hab und Gut verloren, hieß es am Samstagabend nach letzten Schätzungen. Rund 900 000 von ihnen benötigten dringend humanitäre Hilfe. Die seit Wochen anhaltende Überschwemmung in weiten Teilen des Landes gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen der letzten 50 Jahre in dieser Region.

Am Abend wurden die ersten drei Rettungshubschrauber aus Deutschland in dem Katastrophengebiet erwartet. Ein Großtransporter vom Typ Antonow war mit den Helikoptern und Hilfsgütern an Bord am Vormittag auf dem Flughafen Köln/Bonn gestartet. Der Kommandeur der Grenzschutz-Fliegertruppe, Gerd Schäfer, rechnet mit einem zwei- bis dreiwöchigen Einsatz seiner Männer. Insgesamt will Deutschland sieben Rettungshubschrauber nach Mosambik entsenden.

Die Bundeswehr hilft seit 1960 bei Katastrophen in der Dritten Welt. Einen der bisher größten Einsätze startete sie 1984/1985, als eine Hungersnot nach einer Dürre im Sudan und in Äthiopien das Leben von mehreren Millionen Menschen bedrohte. Etwa ein Jahr lang versorgten Maschinen mehrere Transportgeschwader nahezu täglich die Hungernden mit dem Nötigsten. Der Einsatz kostete über 50 Millionen Mark.

Angesichts der erwarteten Hilfe verringerte Südafrika die Zahl seiner Helikopter-Bergungsflüge in Mosambik. Die südafrikanischen Hubschrauber werden sich jetzt auf den Transport von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern konzentrieren. Nach Angaben eines Sprechers der südafrikanischen Luftwaffe werden drei der sieben Hubschrauber weiter Menschen von Dächern und Bäumen retten, die vier anderen dagegen Hilfsgüter aus Maputo in die Hochwasser-Gebiete bringen. Innerhalb einer Woche haben die Südafrikaner den Angaben zufolge 12 142 Menschen vor dem Tod bewahrt.

Durch das Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) seien bislang rund 200 000 obdachlose Menschen in Mosambik erreicht worden, sagte WFP-Sprecherin Brenda Barton der dpa in Maputo. Mit weiteren Hilfsflügen aus Europa und den USA werde sich die Lage verbessern. Barton rechnete nach eigenen Angaben mit bis zu 55 Maschinen, Flugzeugen und Hubschraubern, die in den kommenden Tagen in dem verarmten Land eintreffen sollen.

Die Hilfsorganisation "Cap Anamur" will nach Angaben ihres Leiters Rupert Neudeck außerhalb der mosambikanischen Hauptstadt "ein großes Lager" für Obdachlose einrichten. Ziel sei es, 50 000 Menschen "an einen trockenen Platz zu bringen" und so die Lage in Maputo zu "entzerren", sagte Neudeck der dpa.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte in der "Bild am Sonntag" für künftige Katastrophen "ein schnelles Einsatzteam, am besten sogar unter europäischer Flagge". Dieses Team müsse für weltweite Einsätze jederzeit abrufbar sein und in Deutschland die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, andere Hilfsorganisationen sowie Ehrenamtliche einbinden, erklärte die Politikerin. Zudem sei der unbürokratische Zugriff auf große Transportflugzeuge und Helikopter nötig.

(RPO Archiv)
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