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Tatort: Aus für Simone Thomalla und Martin Wuttke in Leipzig

Leipzig : Aus für das Leipziger "Tatort"-Team

Simone Thomalla und Martin Wuttke müssen ihren Dienst als Kommissare in der beliebten Fernsehreihe quittieren.

Die Entscheidung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) kam für Simone Thomalla fast genauso überraschend wie für den Zuschauer. Gestern teilte Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi mit, den "Tatort" aus Leipzig "grundlegend neu" gestalten zu wollen. Sowohl die Ermittler-Figuren und deren Besetzung als auch der Handlungsort in Sachsen seien offen. Der Sender habe die Schauspieler vor rund zwei Tagen darüber informiert, sagte eine MDR-Sprecherin. Thomalla und Wuttke alias Eva Saalfeld und Andreas Keppler ermitteln seit 2008 im Leipziger "Tatort".

Die beiden Schauspieler teilten in einer knappen Erklärung mit, dass sie ihre Ermittlertätigkeit "auf Veranlassung des MDR" aufgeben. "Die Umgestaltung war schon längerfristig in Planung", erklärte eine MDR-Sprecherin. Der Neujahrs-"Tatort" "Türkischer Honig" war im Internet trotz Quoten von knapp acht Millionen Zuschauern heftig diskutiert worden. Die Kritik habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, betonte die Sprecherin.

Auf Facebook hatte sich eine Gruppe mit rund 300 Mitgliedern und dem Titel "Leipzig hat einen besseren Tatort verdient" formiert. Die Teilnehmer kritisierten die einseitige Darstellung der Stadt Leipzig als schmuddelig und griffen Thomalla zudem persönlich an: Sie sei keine gute Schauspielerin, Leipzig habe Besseres verdient. Ein Boulevardblatt stellte daraufhin schon mögliche Nachfolgerinnen vor.

Vor einer Woche hatte Simone Thomalla im Gespräch mit unserer Zeitung betont: "Man darf Kritik nicht ignorieren, man muss offen sein." Die harsche Kritik an ihrer Person empfand sie jedoch als schmerzhaft und teils auch als unfair. "Ich bin nicht ,Tatort', ich bin nicht Leipzig, ich bin kein Redakteur, und ich bin kein Autor", sagte die 48-Jährige. Für den neuen Sachsen-"Tatort" will der MDR einen Ideenwettbewerb starten. Dazu würden "regionale und überregionale Produzenten" um "kreative Vorschläge" gebeten. "Nach der erfolgreichen Etablierung zweier ,Tatort'-Ausgaben aus Thüringen und des ,Polizeirufs 110' aus Sachsen-Anhalt werden wir auch den Sachsen-,Tatort' neu positionieren", sagte Fernsehdirektor Jacobi.

Simone Thomalla möchte sich "neuen und anderen Herausforderungen" stellen. Martin Wuttke werde seine Arbeit an verschiedenen Bühnen intensivieren, aber auch weiterhin drehen, hieß es in der Mitteilung. Thomalla spielt unter anderem die Hauptrolle in der Reihe "Frühling" im ZDF. Schon lange spricht sie davon, zusammen mit ihrer Tochter Sophia vor der Kamera zu stehen. Es soll aber nicht irgendein Projekt, sondern ein besonderes sein, das sich noch finden müsse. "Ich habe zu tun, mir geht es gut, und das Jahr 2014 ist mit insgesamt sechs Filmen gefüllt", so Thomalla.

Ab 2016 soll das neue Team zu sehen sein. Nach der Ausstrahlung der Folge "Frühstück für immer" am 16. März werden Thomalla und Wuttke noch zwei weitere Folgen produzieren, die 2015 im Fernsehen laufen. Dann ist Schluss.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Tatort" – diese Teams ermitteln

(RP)