Erst das Hoch "Horst" hat Erbarmen mit Narren: Sturmflutwarnung für Nordseeküste

Erst das Hoch "Horst" hat Erbarmen mit Narren : Sturmflutwarnung für Nordseeküste

Offenbach (dpa). Tief „Cilly“ kennt keine Gnade mit den Narren: Es hat Deutschland am Wochenende weiter fest im Griff, fegt mit Sturmböen übers Land und peitscht den Menschen Regen ins Gesicht.

Erst im Lauf des Sonntags pirscht sich aus Frankreich Hoch „Horst“ heran, kündigte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach am Freitag an. „Horst“ hat Erbarmen mit den Jecken, unter seinem Einfluss beruhigt sich das Wetter allmählich. Mit etwas Glück haben die Karnevalisten in den Hochburgen Köln und Mainz zu ihren großen Rosenmontagsumzügen einigermaßen freundliches Wetter. Momentan stehen die Chancen für zumindest von oben trockenes Treiben etwa 50 zu 50.

Bis dahin bleibt Deutschland allerdings ein Sturm- und Regenland. Nachdem sich schon der Freitag landauf, landab regelrecht gräulich und mit Sturmböen bis zu 130 Stundenkilometern präsentierte, wird dem Regenschirm auch am Samstag nur selten eine Trockenpause zugestanden. Tief „Cilly“, das an der Misere schuld ist, zieht mit einer Kaltfront von Nord- nach Süddeutschland. An der Küste und in höheren Lagen sind nach Angaben des privaten Wetterdienstes Meteomedia auch Orkanböen möglich.

Für die deutsche Nordseeküste besteht wieder Sturmflutgefahr. In der Nacht zum Samstag wird das Hochwasser an der ostfriesischen Küste 1,5 Meter höher, an der nordfriesischen Küste und im Elbegebiet 1,5 bis 2 Meter höher als das Mittlere Hochwasser eintreten, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie am Freitag mit. In diesem Winter erlebte der Norden Deutschlands bereits zwei Sturmfluten. Am 3. Dezember waren die Fluten um mehr als drei Meter gestiegen, Anfang Februar wurde bei Sturm ein Pegelstand von 2,25 Meter über dem Mittleren Hochwasser gemessen.

Der Samstag bietet nach Angaben des Meteorologen Kalli Nottrodt "alles, was meteorologisch möglich ist". In den Alpen schneit es noch, im übrigen Deutschland wechseln sich sonnige Abschnitte mit kräftigen Schauern ab, die fast überall als Schnee oder Graupel herunter kommen. Auch Gewitter sind drin. "Der Grund für dieses Aprilwetter ist extrem kalte Luft in höheren Luftschichten, in fünf Kilometern Höhe sind es fast 40 Grad minus“, erklärte Nottrodt. "Auch unten bleibt es recht kalt, mehr als zwei Grad in Thürigen und fünf bis sieben Grad entlang des Rheins sind kaum möglich."

Dazu pustet auch der Wind weiter kräftig. Im Hochschwarzwald waren erneut starke Sturmböen angesagt. Es bestehe allerdings nicht die Gefahr, dass sich ein zweiter "Lothar" entwickle, sagte ein Meteorologe des Stuttgarter Wetteramtes. Für Bäume bestehe dann Gefahr, wenn ihre Wurzeln durch vorhergegangene Stürme gelockert und der Boden aufgeweicht sei, sagte der Meteorologe. Dann müsse man "höllisch aufpassen".

Wer am Sonntag schon zu einem Karnevalsumzug gehen will, sollte sich ein warmes Kostüm aussuchen, denn es bleibt mit ein bis sechs Grad so frisch, dass sich Narren mit Schunkeln warm halten können. Von "Horst" profitieren zunächst nur der Süden und Südwesten Deutschlands. Am Rosenmontag wird es dort etwas milder und teilweise auch sonnig. Norden und Osten dagegen werden von neuen atlantischen Tiefausläufern erfasst und von weiteren Regen- und Schneefällen gebeutelt.

(RPO Archiv)
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