Vierfachmord in Frankreich: Spionage, Killer, Familiendrama?

Vierfachmord in Frankreich : Spionage, Killer, Familiendrama?

Zwei Tage nach dem Verbrechen mit vier toten Erwachsenen und zwei überlebenden Kindern in Ostfrankreich versuchen die Ermittler die Hintergründe zu ermitteln. Über die Hintergründe der Tat gibt es zahlreiche Spekulationen. Das Mädchen, das den Angriff überlebt hat, kauerte offenbar acht Stunden lang unentdeckt unter den Leichen ihrer Familie und hat mittlerweile die Identität der Toten bestätigt.

Die Ermittler sind sich weitgehend sicher über die Identität der vier Opfer. "Nach menschlichem Ermessen" handle es sich um eine Familie aus Großbritannien, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud am Freitag in Annecy. Das vierjährige Mädchen, das die Bluttat unter den Knien seiner Mutter überlebt hatte, habe seine Eltern identifiziert. Die formelle Identifizierung durch DNA-Abgleich soll am Samstag oder Sonntag folgen. Die sieben Jahre alte Schwester liege weiterhin in einem künstlichen Koma. Außerdem war ein französischer Radfahrer erschossen worden. Die Ermittler fanden nach eigenen Angaben am Tatort 25 Patronenhülsen.

Der Vierfachmord könnte einem Medienbericht internationale Ausmaße annehmen. Der ermordete Brite irakischer Herkunft sei demnach früher vom Geheimdienst beobachtet worden, berichtet die "Daily Mail". Das Opfer sei demnach 2003 während der von den USA und Großbritannien angeführten Intervention im Irak überwacht worden.

Der 50-Jährige Saad al-Hilli, seine Frau, deren Mutter sowie ein offenbar unbeteiligter Radfahrer waren am Mittwochnachmittag in der Nähe des ostfranzösischen Annecy ermordet auf einem Waldparkplatz aufgefunden worden. Alle wurden durch Kopfschüsse getötet. Ein Kind überlebte schwer verletzt, ein Mädchen überlebte wie durch ein Wunder unverletzt.

Der ermittelnde Staatsanwalt sagte am Donnerstag, der Familienvater habe anscheinend Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt. "Diese Information scheint seriös zu sein, sie stammt von der britischen Polizei." Der Bruder müsse nun "sehr lange" befragt werden. Offenbar gibt es Hinweise auf einen Erbstreit in der Familie. In einer ersten Stellungnahme war auch ein Familiendrama nicht ausgeschlossen worden.

Der Bruder wird nach Angaben der französischen Ermittler bisher aber nicht verdächtigt. Der Mann habe sich in Großbritannien bei der Polizei meldet, um einen Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und einem finanziellen Streit zwischen den Brüdern auszuschließen, sagte Staatsanwalt Eric Maillaud am Freitag in Annecy. "Er wird als Zeuge verhört werden."

Spekulation um Auftragsmord

Andere Beobachter spekulieren, es könne sich um einen Auftragsmord handeln. Es wird darauf verwiesen, dass die Opfer mit gezielten Kopfschüssen hingerichtet wurden. Dies könne ein Hinweis auf die Handschrift eines professionellen Killers sein. Am Tatort wurden viele Patronenhülsen gefunden, die von einer automatischen Pistole stammen.

Ebenfalls spekuliert wird über einen missglückten Fall von "Car-Jacking". Bei diesen Attacken werden Autofahrer in ihrem Fahrzeug überfallen und ausgeraubt. 80 Kilometer vom Tatort entfernt war es in der Nacht zu Mittwoch ebenfalls zu einem Unfall dieser Art gekommen.

Der Fall hat in dieser Wochen weltweit Aufmerksamkeit erregt. Wie durch ein Wunder überlebten die beiden kleinen Töchter der Familie: Eine Vierjährige blieb unverletzt, weil sie sich für mehr als acht Stunden im hinteren Fußraum des Autos versteckte. Ihre siebenjährige Schwester liegt mit schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Lebensgefahr besteht nicht mehr.

Der Fall beschäftigt auch die Politik. Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande sagte bei einem Besuch in London, die Behörden seines Landes würden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Täter zu finden. Der britische Premierminister David Cameron sprach von "schrecklichen" Mördern. Auch die britische Seite tue alles, um die Hintergründe dieses tragischen Falles aufzuklären.

(csi)