1. Panorama

Spendenaktion: 17-Jähriger aus Mönchengladbach verunglückt im Urlaub​

Spendenaktion in Mönchengladbach : Khans schrecklicher Unfall im Urlaub bringt Familie auch in finanzielle Not

Ein 17-Jähriger aus Mönchengladbach ist im Urlaub in der Türkei verunglückt und liegt nun dort in einer Klinik. Für seine Familie werden neben der Sorge um die Gesundheit des Schülers auch die Kosten zum Problem.

Der 17-Jährige Khan Demiray ist im Urlaub bei einem Spaziergang in den Bergen verunglückt. Gemeinsam mit seinen Eltern, seinem Bruder und einem Freund war er in der Türkei in der Nähe von Izmir unterwegs. Dort trafen sie weitere Freunde, es war eine bunte Truppe, viele von ihnen kennen sich aus Mönchengladbach und dem dortigen Polizeisportverein, wo auch Khans Vater als Trainer engagiert ist. Der Junge stürzte und musste sofort in eine Klinik eingewiesen werden. Weil es sich dabei aber um eine Privatklinik handelt, wurden die Verhandlungen um die Kostenübernahme durch die Versicherung schwierig. Eine Expertin gibt Tipps, worauf es bei einer Auslandsreiseversicherung zu achten gilt.

Die fünf Jugendlichen und Khan Demiray entschlossen sich im Urlaub zu einem Spaziergang in den Bergen, während die Eltern am Fuße warteten. Ein paar der Wanderer blieben dann zurück, Khan, sein Bruder und ein Freund gingen noch ein Stück weiter. Der 17-Jährige kam ins Rutschen und fiel die Böschung herunter. Sein Bruder wollte ihn noch halten, doch auch er war machtlos. Die Jugendlichen, die weiter unten blieben, konnten den Sturz ebenfalls nur beobachten.

Sie alarmierten sofort die Eltern, die direkt zur Unfallstelle eilten. Meryem Pinna, die Tante des Verunglückten, berichtet, der Vater des Jungen habe seinen Sohn nur noch sehr hektisch atmend im Arm halten können, bis Hilfe da war. „Bis der Krankenwagen da war, verging fast eine halbe Stunde“, sagt sie. Khan wurde ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht, eine Privatklinik. Dort wurde der junge Mann sofort notoperiert, während der OP hätten die Ärzte aber erst das volle Ausmaß der Verletzungen feststellen können. „Mein Neffe wurde ins künstliche Koma versetzt. Außerdem musste zur Beatmung ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden. Die Ärzte versuchen jetzt, ihn schrittweise von der künstlichen Beatmung zu nehmen. Er reagiert auch auf Berührungen, aber aufgewacht ist er noch nicht. Es geht nur stückchenweise voran“, sagt sie.

Ein Transport nach Deutschland oder in ein anderes Krankenhaus sei noch nicht möglich, dafür sei Khan noch zu schwach. Seine Eltern harren nun bei ihm aus, mussten sich eine Wohnung in der Nähe mieten. Nach langem Hin und Her übernimmt der ADAC, bei dem die Familie eine Versicherung hat, zwar die Kosten. Weil es sich aber um eine Privatklinik handelt, muss die Familie das Geld erst einmal auslegen.

  • Vom Gardasee bis zum Lago Maggiore : Das sind die schönsten Seen Italiens
  • Auf einem Schreibtisch steht neben einem
    Nach dem Urlaub : So kommen Sie wieder gut rein in den Arbeitsalltag
  • Auf dem Sonnenhausplatz sind Grünflächen statt
    Stadtplanung in Mönchengladbach : So kommen die Pläne für die Innenstadt an

Zusätzlich zu den emotionalen Belastungen kämen so auch die finanziellen Sorgen, sagt Pinna. Im Krankenhaus habe man den Eltern gesagt, dass die Klinik nicht mit dem ADAC zusammenarbeite, diese Unstimmigkeiten zu lösen habe lange gedauert und viel Kraft gekostet. „Aber nicht nur die Behandlungen kosten viel Geld, meine Schwester und mein Schwager müssen dort jetzt auch Miete zahlen, um bei ihrem Sohn sein zu können.“ Ein Freund aus dem Fußballverein hat deshalb eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Elke Weidenbach ist Referentin für Versicherungsschutz bei der Verbraucherzentrale NRW. Sie sagt, bei Unfällen oder gesundheitlichen Problemen im Ausland müssen Verbraucher genau hinschauen. „Wenn im EU-Ausland etwas passiert, dann zahlt die normale gesetzliche Krankenversicherung. Das gilt auch für ein paar weitere Staaten, mit denen es ein Abkommen darüber gibt“, sagt sie. Ein Skiunfall in Österreich wäre also gedeckt, ein Sturz auf der USA-Reise könnte aber zum Problem werden.

Zu beachten sei auch, was genau übernommen wird: „Im Schadensfall zahlt die gesetzliche Versicherung die Kosten, die üblicherweise auch in Deutschland angefallen wären. Auf den Kosten für eine Privatklinik können Verbraucher also sitzen bleiben. Auch der Rücktransport gehört nicht unbedingt dazu. Daher ist eine Auslandsreiseversicherung sinnvoll sein“, sagt Weidenbach. Es gebe schon Angebote für um die zehn Euro pro Person und Jahr. „Die trägt dann die Mehrkosten oder auch die komplette Summe und übernimmt oft auch den Rücktransport.“

Bei der Wahl der Versicherung lohne sich ein Vergleich. Die Unterschiede seien klein, könnten aber von Bedeutung sein. „Ich würde zu einer Versicherung ohne Selbstbeteiligung raten. Außerdem sollte man auf die versicherte Reisedauer achten. Bei Verletzungen, mit denen man so schnell nicht transportfähig ist, kann das entscheidend sein“, so die Expertin. Auch die Obergrenze der zu übernehmenden Kosten sollten Verbraucher im Auge behalten. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie MS oder Rheuma sollten überprüfen, ob Folgeerkrankungen davon auch übernommen werden.

Weidenbach rät, sich zu informieren (Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest böten hier Material), was zur eigenen Situation am besten passt. „Wichtig ist, die Versicherung im Schadensfall möglichst schnell zu kontaktieren“, sagt Weidenbach. Und sie gibt zu beachten: Der Aufenthalt von Eltern im Schadensfall der Kinder wird in der Regel nicht bezahlt.