Tatort "Das goldene Band": Spannend, aber ziemlich dick aufgetragen

Tatort "Das goldene Band": Spannend, aber ziemlich dick aufgetragen

Charlotte Lindholm ermittelte am Sonntag zum zweiten Mal in Folge in der vermeintlich besseren Gesellschaft Hannovers. Statt Zwangsprostitution ging es in "Das Goldene Band" um politische Machtspiele und Gier. Auch der zweite Teil geriet spannend, wenn auch nicht immer glaubwürdig.

Der zweite Teil spielte wenige Wochen nach dem Ende des ersten Teils "Wegwerfmädchen". Der Krimi hatte für einiges Aufsehen gesorgt, weil es deutliche Anspielungen auf reale Personen gab, unter anderem auf Carsten Maschmeyer und Rocker-Größe Frank Hanebuth. Dass sich die sogenannte Elite Hannoveraner in einen Fall von Zwangsprostitution und Mord verwickelt, wirkte natürlich dick aufgetragen, unterhaltsam war es allemal.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils stand Hajo Kaiser, der mit einem Netz von Drückern von einer Gesetzesänderung bei Sozialwohnungen profitieren und groß ins Geschäft mit der Altersvorsorge einsteigen will. Spätestens jetzt wurde jedem Zuschauer klar, wer hier gemeint war. Ihm gehörte die Villa, in dem der Mord geschah. Der Zuschauer bekam zu sehen, wie der Unternehmer seine Drücker-Kolonne einschwört. Dick aufgetragen ist hier noch eine Untertreibung. Wäre ein derart schmieriger Typ im wirklichen Leben wirklich erfolgreich?

Dann war da noch der Journalisten-Freund der Kommissarin. Der hatte natürlich immer noch seinen Dreitagebart. Sein Chef einen 12-Tagebart und auf den Hüften eine beachtliche Menge Bauchfett. Auch hier griffen die Macher beherzt in die Klischee-Kiste. Dennoch gelang es ausnahmsweise, dass die private Liebschaft einer Ermittlerin den Fall tatsächlich vorantrieb. Welche Rolle der Reporter wirklich spielte, hielt den Zuschauer bis kurz vor Ende in Atem.

  • Fotos : Szenen aus dem "Tatort" "Wegwerfmädchen"

Gegen Ende wurde es dann leider wieder albern. Der Rocker-Boss gesteht die Morde, weil die Kommissarin Milch über dessen Kutte schüttet. Einige Teilnehmer der Herrenabende werden verhaftet. Der Drücker-Kaiser flüchtet in den Urlaub und darf im abschließenden Rede-Duell mit der "kleinen Beamtin" den Kürzeren ziehen. In der letzten Szene fahren Rocker bedrohlich unter dem Fenster der Kommissarin vorbei.

Nach 180 Minuten Doppel-Tatort ziehen wir ein ambivalentes Fazit. Einerseits: Kurzweilig, provokant, ungewöhnlich. Andererseits: klischeebeladen, abenteuerlich und diffamierend.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenen aus dem Tatort "Das goldene Band"

(csi)
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