Serie "Silvesterbräuche": Spanien - zwölf Trauben als Glücksbringer

Serie "Silvesterbräuche" : Spanien - zwölf Trauben als Glücksbringer

Madrid (RP). An dieser Stelle möchten wir Ihnen bis Samstag die Silvesterbräuche unserer Nachbarn in Europa vorstellen. Heute ist Spanien an der Reihe. Die Lebensmittelindustrie dort hat etwas Neues erfunden: In Dosen verpackte Weintrauben. Zwölf Stück liegen geschält, ohne Kerne in der Konserve und kosten happige 2,50 Euro. Weintrauben gehören in Spanien zur Silvesternacht wie in Deutschland der Tannenbaum zu Weihnachten. Die Erfindung der eingedosten Weintrauben soll ein altes Problem lösen.

Madrid (RP). An dieser Stelle möchten wir Ihnen bis Samstag die Silvesterbräuche unserer Nachbarn in Europa vorstellen. Heute ist Spanien an der Reihe. Die Lebensmittelindustrie dort hat etwas Neues erfunden: In Dosen verpackte Weintrauben. Zwölf Stück liegen geschält, ohne Kerne in der Konserve und kosten happige 2,50 Euro. Weintrauben gehören in Spanien zur Silvesternacht wie in Deutschland der Tannenbaum zu Weihnachten. Die Erfindung der eingedosten Weintrauben soll ein altes Problem lösen.

"Ich bekomme die Kerne in den Trauben nicht runter", erzählt auf dem Madrider Markt Verkäuferin Ana Carvalho. Auch die Schale stört sie. "Ich esse die frischen Trauben viel zu langsam", sagt die 36-Jährige. Eine zu große Verzögerung im Trauben-Essen führt an Silvester dem Aberglauben zufolge zu einem ganzen Jahr Unglück.

Deshalb dürfen die Trauben nicht irgendwie verzehrt werden. Um kurz vor Mitternacht schaltet in "noche vieja", "der alten Nacht", auch Familie Carvalho den Fernseher ein - wie etwa 99 Prozent der Spanier. Die Fernsehsender haben ihre Übertragungswagen auf dem zentralen Madrider Platz "de la Puerta del Sol" aufgebaut, über dem die Turmuhr des Sitzes der Madrider Regionalregierung herrscht. Elegant gekleidete Moderatoren geben das Signal, dann haben die Kameras nur noch die Turmuhr im Bild. Eine Minute vor 24 Uhr ertönen zwölf Glockenschläge. Exakt mit jedem Gongschlag muss eine Traube gegessen werden.

Vor einigen Jahren hatten die Behörden die Turmuhr bei einem dieses Brauchs unkundigen Schweizer Uhrmacher restaurieren lassen. Danach schlugen die Glocken plötzlich wesentlich schneller. Die Spanier bekamen die Trauben nicht zum Takt runter. Eine Protestwelle ging durch das Land, in Leserbriefen war von Erstickungsanfällen die Rede.

Zur typischen Silvester-Nacht in Spanien gehört das Essen in der Familie. Nicht einmal 16-jährigen Teenagern mitten im Abnabelungsprozess würde einfallen, vor 24 Uhr die Familienfeier zu verlassen. Das ist auch bei Ana Carvalho nicht anders. Entweder holt sich die Familie im Fischladen eine "Mariscada", ein opulenter Meeresfrüchtetopf voller Krebse, Garnelen und Muscheln, der je nach Restaurant und Herkunft der Tiere mehrere hundert Euro kosten kann. Oder es gibt Lamm. "Meine Mutter macht sich mit ihren 60 Jahren fast jedes Mal die Arbeit mit dem Lamm", sagt die Spanierin. "Dabei wäre es so viel einfacher mit der Mariscada."

Anas jüngster Neffe, der achtjährige Gabriel, schaut unterdessen mit drei Freunden bei der Tante am Marktstand vorbei. Er möchte Masken mit einem üblen Teufelsgesicht. Solche Scherzartikel verkaufen sich vor Neujahr in Spanien besonders gut. Manchmal hat man den Eindruck, es sei Karneval.

Sind die Silvesterböller und -raketen verraucht, trifft sich Ana Carvalho, wie fast alle in Madrid, nach der Familienfeier mit Freunden in einer Bar, die einem Bekannten gehört. Sonst wäre es kompliziert: "Überall ist entweder geschlossene Gesellschaft, oder man kommt nur zu horrenden Eintrittspreisen ab 150 Euro rein", erzählt Ana Carvalho. "Wenn Du keinen kennst, ist Silvester in Madrid nicht schön."

Am nächsten Tag ist längst nicht alles vorbei. Die Weihnachtszeit dauert in Spanien bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Könige. Schließlich brachten sie die Geschenke, nicht das Christkind.

REZEPT: Lammspieße auf Salbei

Ana Carvalhos Mutter bereitet die Lammspieße ohne Salbei zu, aber ein anderer berühmter Carvalho ist der Privatdetektiv Pepe Carvalho des Autors Manuel Vázequez Montalbán. Er beschreibt in dem Roman "Die tätowierte Leiche" dieses Rezept: Benötigt werden 800 Gramm Lammrücken, Salz, schwarzer Pfeffer, Salbei-Pulver, zwei grüne Paprika, eine Zwiebel, kaltgepresstes Olivenöl.

Das Lammfleisch wird in etwa drei mal drei Zentimeter große Würfel geschnitten. Die Fleischstückchen werden dann abwechselnd mit einer Zwiebelscheibe und einem Stück Paprika auf einen Spieß geschoben. Man bereite eine Gewürzmischung aus Salz, schwarzem Pfeffer und dem gemahlenen Salbei vor. Die Spieße werden mit Öl übergossen und in der Pfanne gebraten. Bei Bedarf nachwürzen.

(Rheinische Post)
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