Berlin: Schulen warnen vor neuem Trend "Sexting"

Berlin : Schulen warnen vor neuem Trend "Sexting"

Jugendliche verschicken Nacktbilder per Handy an Freunde – ohne an die Folgen zu denken.

Jugendliche verschicken Nacktbilder per Handy an Freunde — ohne an die Folgen zu denken.

Das "Sexting"-Problem ist den Schulleitern so wichtig, dass sie keine Zeit verlieren. "Wir stehen vor einem Problem", schreiben die fünf Pädagogen aus dem niedersächsischen Cloppenburg gleich im ersten Satz ihres Briefes an die Eltern. Immer häufiger berichteten Schülerinnen und Schüler von Nacktbildern, die über Soziale Netzwerke und Smartphones verbreitet würden. Auf diesen Bildern seien auch eigene Schüler zu sehen, berichten die Schulleiter. Der Rektor des Cloppenburger Clemens-August-Gymnasiums, Günter Kannen, sagte dem NDR, dass oft 13- bis 14-jährige Mädchen auf den Bildern zu sehen seien. Die Fotos würden schnell weitergereicht, "so dass alle Handys voll von Nacktfotos sind", sagte er. Es sei erschreckend.

Kannen und seine Kollegen sind auf ein Phänomen gestoßen, das aus den USA nach Deutschland herüberschwappt: das "Sexting". Das Kunstwort setzt sich aus "Sex" und dem englischen "texting" zusammen, was "SMS schreiben" bedeutet. Vor allem Jugendliche schießen anzügliche oder nackte Fotos von sich und anderen und stellen sie ins Internet oder verschicken sie mit dem Handy. Mit der App Snapchat zum Beispiel können Nutzer Bilder verschicken, die sich innerhalb weniger Sekunden selbst zerstören. Der Anschein der Vergänglichkeit sorgte für einen Nutzeransturm, über 200 Millionen Bildchen werden inzwischen nach Angaben der Firma pro Tag verschickt.

Jugendliche nutzten auch die Frage-Webseite Ask.fm, um Bilder hochzuladen, berichtet Stefanie Rack von der Initiative klicksafe. Sie hat Material zum Thema für Lehrer entwickelt. Teenager machten sich oft wenig Gedanken darüber, wie sich die Bilder im Internet verbreiten können, sagt sie. "Sie glauben immer noch, dass das nur ein eingeschränkter Kreis sehen kann." Weil die Apps ständig verfügbar sind, landeten Fotos schnell im Netz.

Zu überprüfen, was Kinder und Jugendliche mit ihrem Smartphone anstellen, ist für Eltern gar nicht so einfach. "Viele dieser Gespräche zwischen Jugendlichen laufen inzwischen versteckt", sagt der US-Forscher Justin Patchin von der Universität von Wisconsin. Früher führten Jugendliche etwa Telefonate vom gemeinsamen Familienapparat in der Küche, SMS und WhatsApp-Nachrichten dagegen sind für Eltern eben meist uneinsehbar. Patchin forscht zu digitalem Mobbing, neben Nacktbildern ein weiteres Problem. Doch er warnt davor, die Verantwortung auf die Technik zu schieben: Dieses Schikanieren habe es lange gegeben, "bevor es diese Technologie gab", sagte er bei einem Kongress gegen Cybermobbing in Berlin.

Eltern sollten mit Kindern und Jugendlichen über ihren Umgang mit Technologie sprechen, meinen die Experten. Denn die Verbreitung von Pornobildern könne auch rechtliche Folgen haben: "Die machen sich strafbar, wenn sie das anderen Jugendlichen zugänglich machen", warnt Rack von klicksafe.

(dpa)
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