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Berlinerin starb mit 76 Jahren: Schauspielerin Hildegard Knef ist tot

Berlinerin starb mit 76 Jahren : Schauspielerin Hildegard Knef ist tot

Berlin (rpo). Die Schauspielerin Hildegard Knef ist tot. Sie starb im Alter von 76 Jahren an einer akuten Lungenentzündung in Berlin. Die Knef war der erste große deutsche Star nach dem Krieg.

Der Tod der Diva löste Trauer und Mitgefühl bei Kollegen und Politikern aus. Knef litt infolge geschädigter Lunge an Atemnot. Bei einem Langstreckenflug im vergangenen Jahr entstand daraus ein schwerster Lungenschaden, weil ein von ihr benötigtes Sauerstoffgerät fehlte. Eine Notoparation und ein dreiwöchiges Koma waren die Folge. Sie musste seitdem im Rollstuhl sitzen.

Bundespräsident Johannes Rau würdigte sie in einem Kondolenztelegramm als "wirklich großen Star". Kulturstaatsminister Nida-Rümelin erklärte, die Künstlerin stehe wie kaum eine andere für den deutschen Film der Nachkriegszeit. Berlinale-Chef Dieter Kosslick kündigte in Änderung des Programms der bevorstehenden Filmfestspiele eine eigene Würdigung Knefs an. "Sie ist die Berlinerin überhaupt, die Stimme aus Berlin," sagte Kosslick.

Der Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte in Anspielung auf ihre Liebeslieder an Berlin: "In dieser Stadt war sie zu Haus". "Hildchen" habe ihre Wurzeln in Berlin nie vergessen, auch wenn sie zwischenzeitlich in Hollywood lebte und gebürtige Ulmerin war. Der FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt würdigte ihren Kampf gegen ihre Krankheit. Sie sei auch gesellschaftliche Mahnerin gewesen und habe einen "tiefen künstlerischen Eindruck" hinterlassen.

Erste Hauptrolle und erster Skandal

Knef war als Tochter eines Prokuristen am 28. Dezember 1925 in Ulm auf die Welt gekommen. In Berlin wuchs sie auf. Im ersten deutschen Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte spielte sie als KZ-Insassin ihre erste Hauptrolle. Bekannt wurde sie 1951 mit dem Film "Die Sünderin": die kurze Nacktszene in diesem Film löste damals einen Skandal aus. Den entscheidenden internationalen Durchbruch erzielte Knef Mitte der Fünfziger Jahre, als sie in 675 Vorstellungen als Ninotschka in Cole Porters Musical "Seidenstrümpfe" am New Yorker Broadway auftrat.

1963 begann sie mit Millionenerfolgen eine zweite Karriere als Chansonsängerin. Unverwechselbar wurde ihr rauchiges Timbre. 1968 wurde sie als beste deutschsprachige Sängerin ausgezeichnet. Die amerikanische Jazzsängerin Ella Fitzgerald soll sie als "the greatest singer in the world without a voice (die größte Sängerin der Welt ohne Stimme)" bezeichnet haben.

Zur Sensation geriet auch ihr Einstand als Schriftstellerin 1970 mit ihrer Autobiografie "Der geschenkte Gaul", der eine Millionenauflage erreichte. Erhebliches Aufsehen erregte 1975 auch ihr Buch "Das Urteil", in dem sie ihren Weg durch die Krankenhäuser nach 56 Operationen, darunter eine Brustkrebsoperation 1973, schilderte.

Nach ihrer Scheidung vom zweiten Ehemann David Cameron-Palastranga 1976 konnte Knef an frühere Erfolge nicht mehr anknüpfen. Seit Juni 1977 war Knef in dritter Ehe mit Paul von Schell verheiratet. Aus zweiter Ehe stammt die als "Tinta" bekannte Tochter Christina Antonia. Ihre oft enttäuschten Lebenswünsche hatte sie exemplarisch in dem melancholischen Titel "Für mich soll's rote Rosen regnen" zusammengefasst.

(RPO Archiv)