Düsseldorf/Xanten: Rheinische Wiesn

Düsseldorf/Xanten : Rheinische Wiesn

Bier, Weißwurst und Gaudikapellen: Oktoberfeste sind auch im Rheinland sehr beliebt. Allein 60.000 Besucher kommen zum Feiern nach Xanten.

Das größte Oktoberfest am Niederrhein steigt in Xanten. Macher der mittlerweile 19. Wiesn in Wardt ist Wilfried Meyer (63). Der Leiter des örtlichen Freizeitzentrums hatte 1998, nach einem Besuch mit Freunden auf dem Münchener Oktoberfest, die Idee dazu. Ein Jahr später ging im Xantener Ortsteil Wardt das erste Oktoberfest über die Bühne. Damals feierten knapp 500 Gäste im Festzelt, heute werden an der Xantener Südsee mehr als 60.000 Besucher vom 5. bis zum 29. Oktober erwartet. "Das Xantener Oktoberfest ist ganz nah am Original", sagt Meyer.

In Nordrhein-Westfalen hält der Hype um den alljährlichen bayerischen Exportschlager ungebrochen an. Neben den "Xantener Wiesn" haben sich landesweit längst eine Vielzahl ähnlicher Veranstaltungen etabliert. Viele Oktoberfeste sind bereits seit Wochen und Monaten, einige sogar schon seit einem Jahr ausverkauft. Was auch daran liegt, dass die "Wiesn" in NRW in deutlich kleinerem Rahmen stattfinden als das berühmte Vorbild, in der Regel auch ohne Kirmes. Und auch nicht drei Wochen am Stück, sondern meist nur an Wochenenden in einem einzigen Festzelt.

Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Denn gefeiert wird wie bei den "großen Bayern": Mit Bier und Gaudikapellen. Serviert werden Leberkas-Semmel, Backhendl mit Kartoffel-Gurkensalat und Weißwürste. Beim Rheinischen Oktoberfest Neuss-Düsseldorf (Rennbahn Park Neuss, 29. September bis 7. Oktober) gibt es zudem Prosecco auf Eis und Champagner; die Halbliterflasche für 69 Euro. In Duisburg verzichtet man darauf. Dort stößt man vor allem mit Oktoberfestbier an. Die Gaudi in der Villa Rheinperle am Duisburger Log-Port, für die es nur noch wenige Restkarten für den 7. Oktober gibt, bewirbt man als "die Kulturveranstaltung am Niederrhein", wo rheinischer Frohsinn auf bayerische Gemütlichkeit trifft.

Wenn man Meyer danach fragt, wieso sein Oktoberfest in Xanten so beliebt sei, dann antwortet er, dass es eben sehr authentisch sei, sehr nah am Original. Unverfälscht. Das Festzelt bei ihm sei mit 534 Bierzeltgarnituren bunt geschmückt. Im Ausschank befinde sich das Oktoberfest-Bier Löwenbräu, das - wie auch in München - ausschließlich von Kellnern am Tisch serviert werde. Neben den typischen Speisen spiele auch die Musik eine zentrale Rolle wie die Oberbayern-Band. Jene Kultband, die seit 18 Jahren auf dem Oktoberfest in Xanten aufspielt und dort mittlerweile viele Fans hat.

Gefeiert wird in diesem Jahr unter anderem auch wieder an der Rheinpromenade in Wesel am 22. und 23. September. Zum elften Mal heißt es "O'zapft is" in Düsseldorf auf den Niederkasseler Rheinwiesen. Veranstalter ist der St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf-Niederkassel. Die Große Hildener Karnevalsgesellschaft lädt vom 14. bis 17. September zum Maßtrinken ein. Dort kann man bei der "Bayern-Olympiade" seine Kräfte im Fingerhakeln und Baumsägen unter Beweis stellen.

Festveranstalter Meyer schaut sich heute in München um. Die Eröffnung des Oktoberfestes, zu der er stets von seinen bayerischen Wiesn-Wirt-Kollegen eingeladen wird, nutzt er, um sich Anregungen für Xanten zu holen. "Sehr zum Leidwesen meiner Mitarbeiter, denn meistens bringe ich viele neue Ideen mit."

Neuerungen gibt es aber schon jetzt. So wird in diesem Jahr in einem neuen Zelt gefeiert. Viel größer ist es nicht, dafür aber komfortabler. In den Genuss davon kommen die Besucher des VIP-Bereichs. Den gibt es in Xanten selbstverständlich auch, selbst wenn die Promidichte mit der in München nicht konkurrieren kann. Und Meyer hat eine alte Löwenbräu-Hausbox erworben. "Damit kommen wir dem Original wieder ein Stück näher", sagt er. Auf Münchner Wiesn-Niveau liegen die Bierpreise: 10,80 Euro kostet die Maß in Xanten - genauso viel wie im Löwenbräu-Zelt in Bayern.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die schönsten Oktoberfeste der Region

(RP)