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US-Bischöfe streiten über Kommunionempfang für Biden - Eucharistieverbot für Abtreibungsbefürworter?

Spannung in US-Kirche : Diskussion über Eucharistieverbot für Abtreibungsbefürworter

Die Bischöfe in den USA streiten über die Frage der Kommunion für Politiker, die Abtreibungen akzeptieren - wie Präsident Joe Biden. Nun begehren 60 Oberhirten gegen die Konservativen auf. Der Vatikan mahnt zur Einheit.

Die Spannung in der US-Kirche wächst. Sie ist spürbar zwischen den Polen zweier Schreiben, die in den vergangenen Tagen verfasst wurden und über Umwege an die Öffentlichkeit kamen. Das eine stammt vom Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz (USCCB), Erzbischof Jose Gomez aus Los Angeles, der den US-Bischöfen den Vorschlag unterbreitet, schon beim virtuellen Frühjahrstreffen (16.-18. Juni) ein Lehrschreiben zum "Eucharistie-Empfang" in Auftrag zu geben.

Das andere steht laut Informationen des katholischen Magazins "The Pillar" vom Dienstag auf dem Briefpapier des Erzbischofs von Washington, Kardinal Wilton Gregory, und trägt die Unterschriften von 60 Bischöfen. Diese fordern den USCCB-Vorsitzenden Gomez auf, das Thema Sakramentenempfang zu verschieben. Ausdrücklich beziehen sich die Verfasser auf den Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation Kardinal Luis Ladaria, der die US-Bischöfe Anfang Mai in einem Brief zur Einheit ermahnte - offenbar in der Absicht, im Juni einen Schnellschuss der Hardliner gegen Politiker zu verhindern, die in der Abtreibungsfrage eine liberale Position vertreten - allen voran US-Präsident Joe Biden.

Unklar ist, inwiefern Erzbischof Gomez die Weisung aus dem Vatikan in seinem Beschluss-Entwurf berücksichtigt hat. Dass er sich über die Einwände von mindestens zwei US-Kardinälen hinwegsetzt, die Papst Franziskus ernannt hat, gilt unter Beobachtern der US-Kirche als bemerkenswert. Wie "The Pillar" berichtet, hatte sich neben Kardinal Gregory auch Kardinal Blase Cupich aus Chicago für eine Verschiebung der Abstimmung eingesetzt.

Dass sich der Erzbischof über die beiden "Franziskus-Kardinäle" hinwegsetzt, ist seiner Rolle als Vorsitzender der USCCB geschuldet, die weiterhin von streng Konservativen dominiert wird. Dass Gomez eine Mehrheit unter den 280 wahlberechtigten Bischöfen für die Beauftragung des Lehrschreibens finden könnte, gilt als wahrscheinlich. Ob es im Herbst bei der nächsten Vollversammlung dann für eine Zweidrittel-Mehrheit reicht, ist nicht so sicher.

Spätestens an dieser Stelle käme dann der Fingerzeig aus dem Vatikan in den Blick. Präfekt Ladaria hatte die amerikanischen Oberhirten aufgefordert, erst einmal untereinander in einen ausgedehnten Dialog zu treten. Anschließend müsse das Gespräch mit den betroffenen katholischen Politikern gesucht werden. Der Kardinal betont außerdem, es sei "irreführend", den Eindruck zu erwecken, Abtreibung und Euthanasie stellten "die einzigen schwerwiegenden Angelegenheiten der katholischen Moral- und Soziallehre dar, die die volle Rechenschaftspflicht seitens der Katholiken erfordern". Was auch immer die Bischofskonferenz beschließe, so der Glaubenspräfekt, müsse die Einheit der Kirche als Richtschnur im Auge behalten.

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Gemessen an den beiden konkurrierenden Schreiben gibt es jetzt schon tiefe Gräben zwischen den "Franziskus-Bischöfen" in der Minderheit und den Initiatoren des Eucharistie-Dokuments. Oder wie es in dem Brief der 60 heißt: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir weit von dem hohen Standard eines Konsenses entfernt."

Den Vorsitzenden des Lebensschutz-Komitees der USCCB, Erzbischof Joseph Naumann, ficht das nicht an. Aus Naumanns Sicht besteht dringender Handlungsbedarf nach der Wahl Joe Bidens ins Weiße Haus. Dem zweiten Katholiken nach John F. Kennedy schlägt mehr Skepsis der Bischöfe entgegen als dessen weniger frommem Vorgänger vor 60 Jahren. Ein gläubiger Katholik könne nicht für Abtreibung sein, sagt Neumann über Biden. "Es geht um Aufrichtigkeit. Er sollte nicht zur Kommunion kommen."

Kardinal Gregory hat bereits deutlich gemacht, dass er gegen eine Politisierung der Eucharistie-Frage ist. Der erste schwarze US-Kardinal gab zu erkennen, dass er kein Problem damit hat, Biden die Kommunion zu erteilen. Als Ortsbischof des Präsidenten liegt die Entscheidung kirchenrechtlich bei ihm, er ist nicht weisungsgebunden an die Bischofskonferenz. Ein katechetisches Dokument der USCCB hätte lediglich empfehlenden Charakter.

Umso mehr stellen Kritiker den Gomez-Vorstoß infrage. Dieser komme zu einem Zeitpunkt, an dem die Bischöfe ohnehin schon polarisiert seien und der Oberste Gerichtshof das Thema Abtreibung aufgreifen wird. Es sei schwer zu erkennen, wie die Abstimmung über die Beauftragung eines Lehrschreibens zur Einheit der Kirche beitragen könne.

Experten wie der Kirchenhistoriker der katholischen Notre Dame Universität, John McGreevy, sehen in dem Streit um den Kommunionempfang ein typisch amerikanisches Phänomen. "Ich habe das Gefühl, dass Bischöfe in anderen Ländern so etwas nicht tun würden", sagte McGreevy dem "National Catholic Reporter". In den USA ließen sich die Oberhirten "von Kulturkämpfen vereinnahmen".

(june/kna)