Schwarzwald-Sekte: Fiat-Lux-Gründerin "Uriella" mit 90 Jahren gestorben

Schwarzwald-Sekte: „Fiat-Lux“-Gründerin „Uriella“ mit 90 Jahren gestorben

„Uriella“, die Sekten-Führerin von „Fiat Lux“, ist tot. Sie sah sich als Sprachrohr Jesu und sagte den Weltuntergang voraus. Diese anderen übernatürlichen Fähigkeiten hatte sie nach eigenen Angaben zu Lebzeiten.

Die mit ihren Weltuntergangsszenarien in den 80er und 90er Jahren zu Bekanntheit gelangte Sektenführerin Uriella ist tot. Wie die Gemeinde Ibach im Südschwarzwald am Montag auf Anfrage bestätigte, starb die selbsternannte Geistheilerin und Chefin der Sekte Fiat Lux mit 90 Jahren. Es liege ein Totenschein vor.

Die Sektenführerin mit dem bürgerlichen Namen Erika Bertschinger-Eicke praktizierte zunächst in der Schweiz, bevor sie sich mit einigen Anhängern in Ibach niederließ. Uriella sah sich als Sprachrohr Jesu und behauptete, direkt mit dem Engel Uriel zu kommunizieren.

Bekannt wurde Uriella auch durch eine Reihe Fernsehauftritte. So ließ sie sich dabei filmen, wie sie mit einem Silberlöffel in einer Badewanne Wasser umrührte - so stellte sie angebliches Wunderwasser her, das sie dann verkaufte. Ihre auf ihre Anweisung in weiß gekleideten Sektenanhänger zwang sie in ein strenges Diktat, in dem Fleisch, Alkohol, Nikotin und Sex verboten waren.

Neben öffentlicher Belustigung sorgte das Auftreten von Uriella allerdings auch wiederholt für strafrechtliche Verfolgung. 1996 wurde sie aus Mangel an Beweisen und entlastet durch Aussagen von ihren Anhängern vom Verdacht der fahrlässigen Tötung freigesprochen, nachdem zwei ihrer Anhängerinnen verstorben waren.

Eine der Frauen hatte sich bei Gartenarbeiten verletzt und eine Blutvergiftung zugezogen. Statt einen Arztbesuch und Antibiotika zu empfehlen, hatte Uriella damals mit angeblich heilendem Licht per Telefon behandelt und zu Engelwurz und Ringelblumen geraten.

In einem anderen Verfahren wurde die Sektenführerin wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sie hatte in Deutschland nicht zugelassene sogenannte Heilmittel einschmuggeln lassen und diese dann ohne Steuern zu zahlen verkauft. Dem Richter bescheinigte Uriella, "seine irdische Pflicht" erfüllt zu haben - "nach göttlichen Gesetzen bin ich jedoch unschuldig".

Nachdem es Fiat Lux zwischenzeitlich sogar mit einem Vertreter in den Gemeinderat von Ibach geschafft hatte, herrschte seit Jahren Ruhe um die geschrumpfte Sekte. Zuletzt sorgte Uriella rund um die Jahrtausendwende als eine von vielen Weltuntergangspropheten für größeres Aufsehen.

Sie kündigte damals einen Computercrash mit einem sich anschließenden Chaos an, in der direkten Folge sollte die Weltwirtschaft zusammenbrechen und nach der Ermordung eines wichtigen Staatsoberhaupts der Dritte Weltkrieg ausbrechen.

Zugespitzt werden sollte die Situation dann noch durch einen in die Nordsee stürzenden riesigen Meteoriten, der todbringende Flutwellen um den Planeten rasen lassen sollte, außerdem sollten Vulkane ausbrechen. Nur Anhänger, die nach ihren Richtlinien lebten, sollten gerettet werden - durch riesige Raumschiffe.

(kron/AFP)
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