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Rainer Maria Woelki lehnt Rücktritt nach Gutachten im Erzbistum Köln ab

Nach Missbrauchs-Gutachten im Erzbistum Köln : Woelki gesteht eigene Schuld ein, aber lehnt Rücktritt ab

Kardinal Woelki hat „systembedingte Vertuschung“ im Erzbistum Köln eingeräumt. Er gesteht auch ein, in zwei Fällen selbst moralisch falsch gehandelt zu haben. Einen Rücktritt lehnte er jedoch ab. Alle 314 Betroffene aus dem Gutachten lud er zu einem persönliches Gespräch ein.

Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester habe dies nachgewiesen, sagte Woelki am Dienstag. „Das hätte so nie passieren dürfen“, sagte der Chef des größten deutschen Bistums. Deshalb müsse nun „rigoros gehandelt“ werden, um dies für die Zukunft zu verhindern.

Woelki räumte „Chaos in der Verwaltung“ sowie ein „System aus Schweigen, Geheimhaltung und mangelnder Kontrolle“ ein. „Generell fehlte es an Mitgefühl, generell fehlte es an Empathie“, konstatierte der Erzbischof.

Einen Rücktritt lehnte der Kardinal aber ab. "Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche - das ist mir zu einfach. Und in meinen Augen ist es auch falsch", sagte der Erzbischof. "So ein Rücktritt wäre nur ein Symbol, das nur für eine kurze Zeit hält." Er könne es nur aus seinem Amt heraus besser machen. "Ich werde in Zukunft alles dafür tun, dass möglichst keine Fehler mehr passieren können."

Woelki gestand ein, im Umgang mit Missbrauchsfällen Schuld auf sich geladen zu haben. Zwar wisse er durch das Gutachten, dass er etwa im Fall des beschuldigten Priesters O. pflichtgemäß und rechtssicher gehandelt habe. "Aber es geht nicht nur darum, das Richtige zu tun, sondern alles Menschenmögliche zu tun. Und das habe ich nicht getan." Es wäre besser gewesen, wenn er denn Fall nach Rom gemeldet hätte. Auch in einem weiteren Fall hätte er einen beschuldigten Geistlichen schon viel früher suspendieren sollen, als es tatsächlich geschah.

Jedem der im Gutachten genannten über 300 Betroffenen von sexuellem Missbrauch bot Woelki ein persönliches Gespräch an. "Kommen Sie, wenn Sie möchten und ich will versuchen, ihnen zuzuhören." Er könne aber auch jeden verstehen, der nach seinen schlimmen Erfahrungen nicht mit einem Vertreter der Kirche reden wolle.

Aus dem Gutachten hatte sich ergeben, dass aufgrund der noch verfügbaren Akten im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 314 Personen - meist Jungen unter 14 Jahren - Opfer von sexualisierter Gewalt geworden waren. Der Gutachter Björn Gercke stellte fest, „dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen“. Mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums warf Gercke Pflichtverletzungen vor, so dem früheren Personalchef und heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem 2017 gestorbenen Kardinal Joachim Meisner. Heße hat dem Papst mittlerweile seinen Amtsverzicht angeboten.

(siev/kna/dpa)