1. Panorama
  2. Religion

Rainer Maria Woelki: Bätzing spricht dem Kölner Kardinal das Vertrauen aus

Katholische Bischofskonferenz : Bätzing spricht Kardinal Woelki das Vertrauen aus

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz stellt sich hinter den Kölner Erzbischof. Dabei äußert Georg Bätzing auch Verständnis für die Auffassung, die katholische Kirche wolle keine Transparenz.

Im Streit um die Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen im Erzbistum Köln hat der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, dem Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki das Vertrauen ausgesprochen. Er habe mehrfach mit Woelki gesprochen und glaube ihm auch, dass er volle Transparenz und eine umfassende Aufarbeitung aller Fälle wolle und "Vertuschung und Vertuscher beim Namen nennen will", sagte Bätzing am Dienstagabend in den ARD-"Tagesthemen". Zudem habe Woelki zuletzt Fehler in dem Zusammenhang eingeräumt, betonte Bätzing. Dies sei ein "richtiger Schritt, ein wichtiger Schritt".

Bätzing sagte zugleich, dass die Veröffentlichung eines von Woelki wegen angeblicher Mängel vorerst unter Verschluss gehaltenen, ersten Missbrauchsgutachtens "gut gewesen" wäre. Dann hätte es eine öffentliche juristische Debatte um das Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl geben können, unterstrich Bätzing. "Das hätte eine Transparenz jetzt schon gebracht."

Woelki aber habe sich gegen eine Veröffentlichung entschieden, weil er denjenigen Juristen glaube, die ihm versichert hätten, die erste Untersuchung über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsfällen habe Mängel und sei nicht gerecht: "Jetzt bleibt uns nichts anderes als zu warten auf den 18. März." Dann soll das zweite Gutachten veröffentlicht werden und zugleich sollen Betroffene und andere Interessierte auch das erste Gutachten lesen können. Der Kardinal habe mit Blick auf das zweite Gutachten versichert, darin werde "Tacheles geredet" und "niemand geschont", sagte Bätzing. "Darauf werden die Menschen jetzt schauen."

Nach Ansicht von Bätzing braucht die katholische Kirche Hilfe von außen, mehr Transparenz und eine engere Zusammenarbeit mit den Betroffenen, um den Missbrauchsskandal aufarbeiten zu können. Daher arbeite man auch schon länger mit dem Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung und dessen Aufarbeitungskommission zusammen, sagte Bätzing in den ARD-"Tagesthemen". Gemeinsam habe man sich auf Standards und Kriterien der Aufarbeitung geeinigt - "und nach denen gehen wir jetzt vor".

Auf die Frage nach einer "Wahrheitskommission" des Bundestags, wie sie Betroffene von Missbrauch fordern, sagte Bätzing, diese könne nur die staatlich auch noch zu ahndenden Vergehen, die nicht verjährt seien, in den Blick nehmen. Die unabhängigen Studien, wie sie etwa in den Bistümern Aachen und Limburg schon abgeschlossen seien, könnten deutlich mehr Fälle aus den letzten 70 Jahren untersuchen und seien daher sinnvoller aus seiner Sicht.

Er habe Verständnis dafür, ergänzte der Limburger Bischof, dass bei vielen der Eindruck entstehe, die Kirche wolle doch keine Transparenz und Aufklärung. "Wir müssen uns den Gesprächen und Fragen stellen", so Bätzing: "Und ich sage den Menschen: Schauen Sie hin in ihren Diözesen, was geschieht. Fragen sie an, warum es so geschieht und nicht anders - und erwarten Sie Antworten darauf." Nur das fördere Vertrauen - "alles Andere kann nicht mehr sein".

Die deutschen katholischen Bischöfe waren am Dienstag vor dem Hintergrund des Kölner Missbrauchsskandals zu ihrer ersten nur digital abgehaltenen Vollversammlung zusammengekommen. Das Erzbistum Köln steckt in einer schweren Vertrauenskrise. Kardinal Woelki steht selbst unter Verdacht, Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen einen mittlerweile verstorbenen Priester vertuscht zu haben. Er weist diesen Vorwurf zurück, räumte am Wochenende aber Fehler im Zusammenhang mit der Missbrauchsaufarbeitung ein.

(peng/AFP/KNA)