Kolumne Gott und die Welt Urlaub der anderen Art

Meinung · Wir sind keine Maschinen, sondern Werkzeuge der Liebe. Auch in den Ferien. Was geschah, nachdem ich in diesem Sommer, zum ersten Mal auf meine innere Stimme gehört habe.

Ein Mann meditiert auf einem Steg.

Ein Mann meditiert auf einem Steg.

Foto: obs/danm

Wer freut sich nicht, wenn endlich Urlaubszeit ist? Die meisten Menschen, die ich kenne, nutzen die Ferien, um zu verreisen. Das ist auch richtig und wichtig, um der Alltagsroutine zu entkommen und die inneren Batterien wieder aufzuladen. Meist kommt man erholt und mit neuer Energie zurück. Diese Energie braucht man, um effizient zu funktionieren – privat und beruflich. Man will schließlich von Mitmenschen gut „bewertet“ werden.

Auch ich ertappe mich, wie ich mir sage: „Ich muss Energie tanken, um noch bessere Ideen zu entwickeln, noch bessere Projekte durchzuführen, noch bessere Bücher zu schreiben…“ Zum Glück meldet sich oft eine innere Stimme, auf die ich allerdings selten höre: „Du bist doch keine Maschine. Du bist ein Mensch, der, wie es in unseren heiligen Schriften heißt, das Edelste ist, was Gott je erschuf. Also reduziere dich nicht auf einen Abarbeiter von To-do-Listen.“ Dann wird mir bewusst, wie wichtig es ist, eine Reise zu sich selbst zu machen, um sich immer wieder zu vergewissern: Wer bin ich? Was mache ich in dieser Welt? Wohin geht die Reise?

So beschloss ich in diesem Sommer, zum ersten Mal auf meine innere Stimme zu hören. Ich werde die drei Wochen allein in völliger Stille verbringen, um für mich Antworten auf all diese Fragen zu finden. Gerade die monotheistischen Religionen definieren den Menschen als Hand der Liebe Gottes, die Menschen Glück schenkt und Leid abnimmt, um in die ewige Gottesgegenwart zu gelangen. Diese Ausrichtung ist eine unglaubliche Quelle innerer Kraft. Denn diese Welt ist vergänglich. Am Ende zählt nur, was man im Sinne der Liebe investiert hat. Da geht es weder darum, To-dos zu erledigen, noch darum, Erwartungen zu erfüllen. Und plötzlich erscheinen auch die schwierigsten Konflikte als kleine harmlose Steine auf dem Weg. Es lohnt sich nicht, Energie auf das Negative zu verschwenden. Nur die Liebe wird überleben. Und Liebe beginnt mit einer gesunden Selbstliebe und Selbstannahme.

Unser Autor ist Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Er wechselt sich hier mit der katholischen Theologin Dorothea Sattler, der evangelischen Religionslehrerin Anne Schneider und dem Rabbi Jehoschua Ahrens ab.

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