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Kölner Diözesanrat: „Mit Kardinal Woelki einen toten Punkt erreicht"

Die Krise im Erzbistum Köln : Kölner Diözesanrat: „Mit Kardinal Woelki einen toten Punkt erreicht"

Die Ungeduld der Gläubigen im Erzbistum Köln nimmt zu. Sowohl der Diözesanrat als auch die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände gehen auf Distanz zur Bistumsleitung und drängen auf Aufklärung und Veränderung.

Die Situation in Köln spitzt sich zu. So erklärte der Diözesanrat des Erzbistums nach seiner jüngsten Vollversammlung: „Mit Kardinal Woelki haben wir jetzt einen toten Punkt erreicht. Einen Punkt, an dem wir wirklich leiden. Wir nehmen mit Bitterkeit wahr, dass wir nicht mehr weiterkommen.“ Die Kräfte aller Beteiligter seien „am Ende“. Und gegenüber unserer Redaktion betonte der Vorsitzende Tim Kurzbach: „Kardinal Rainer Maria Woelki ist seit drei Jahren nicht mehr bei einer Vollversammlung des Diözesanrates gewesen. Auch diesmal nicht. Stattdessen bekamen wir anderthalb Stunden vor der Sitzung einen vierseitigen Brief per Mail mit vielen Rechtfertigungen. Jeder Verantwortliche eines Unternehmens hätte gewusst, wo er in dieser Zeit hätte sein müssen.“

Nach Meinung des Laiengremiums dürfe es nach dem Besuch der Apostolischen Visitatoren im Erzbistum „keine lange Hängepartie mehr geben“, denn das würde das Bistum „vollends demontieren“. Wie Kurzbach erklärte, werde man dem Kardinal am kommenden Samstag im Diözesanpastoralrat nahelegen „das Fleisch auf den Grill zu legen“, wie es auch Papst Franziskus unlängst in seinem Schreiben an den Münchner Kardinal Marx gefordert hat.

Unterdessen veröffentlichte auch die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände eine Stellungnahme zur pastoralen Situation im Erzbistum. Darin heißt es: „Wir erleben daher schmerzlich, dass viele Menschen der Kirche den Rücken kehren, passiv werden oder sogar offiziell den Austritt vollziehen.“ Nach ihren Worten erlebe die katholische Kirche und insbesondere die Bistumsleitung durch die Vorgänge in der Vergangenheit, aber auch durch aktuelle Probleme „einen leidvollen Vertrauensverlust“. So sei das ganze Ausmaß des Missbrauchs in der Kirche jetzt sichtbar geworden und dass auf diesen „viel zu lang nicht angemessen reagiert wurde und noch immer nicht wird. Wir sind beschämt über das große Leid, das den Betroffenen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, ausgerechnet im Raum der Kirche widerfahren ist“.

In den katholischen Verbänden im Erzbistum Köln sind etwa 175.000 Menschen organisiert.