Karfreitag: Papst und römischer Oberrabbiner tauschen Feiertagsgrüße aus

An Karfreitag : Papst und römischer Oberrabbiner tauschen Feiertagsgrüße aus

Papst Franziskus hat dem römischen Oberrabbiner Riccardo Di Segni Frieden und Eintracht gewünscht. Anlass sind die Feierlichkeiten zu Ostern und zum Pessach-Fest.

Das berichtete der Informationsdienst „Vaticannews“ am Freitag. Das Kirchenoberhaupt erinnerte demnach an den gemeinsamen „Bund der Freundschaft und des Einsatzes für die Notleidendsten unserer Gesellschaft“. Di Segni äußerte in seiner handschriftlichen Note die Hoffnung, dass die Gebete des Papstes für das Gute Gehör fänden.

Das christliche Oster- und das jüdische Pessach-Fest überschneiden sich in diesem Jahr. Juden erinnern an Pessach an den Auszug ihres Volkes aus Ägypten und der Befreiung aus der Sklaverei, während Christen an Ostern der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus gedenken.

Am Gründonnerstag bereits hatte Papst Franziskus in Velletri südlich von Rom zwölf Gefangenen die Füße gewaschen. Der traditionelle Ritus der Fußwaschung fand im Rahmen der Abendmahlsmesse in der Haftanstalt von Velletri statt. Dabei erinnerte das katholische Kirchenoberhaupt daran, dass zu Lebzeiten Jesu Sklaven die Füße der Menschen wuschen, die barfuß gingen. Jesus habe seinen Jüngern die Füße gewaschen als Zeichen seiner Bereitschaft zum Dienen. Am Abend des Karfreitag wollte Franziskus beim traditionellen Kreuzweg in Rom an das Leiden und Sterben Jesu erinnern.

Papst Franziskus küsst am Gründonnerstag den Fuß eines Häftlings. Foto: REUTERS/VATICAN MEDIA

Bei der Karfreitags-Prozession durch das mit Fackeln erleuchtete römische Amphitheater gehen Tausende Gläubige den Leidensweg Jesu nach. In den Meditationen an den 14 Kreuzweg-Stationen sollte es diesmal um das Schicksal von Migranten gehen. Die Texte dazu hat die italienische Ordensfrau Eugenia Bonetti geschrieben, die sich gegen Menschenhandel einsetzt.

Bei der Messe zur Fußwaschung am Gründdonnerstag sagte Papst Franziskus: „Jesus, der der Herr war, vollzog diese Geste eines Sklaven.“ Die Häftlinge rief er auf, einander mit entsprechenden Gesten der Stärkeren gegenüber den Schwächeren zu Diensten zu sein. Die Kirche fordere Bischöfe auf, die Fußwaschung mindestens einmal im Jahr zu vollziehen, sagte der Papst. Damit setzten sie ein Zeichen dafür, dass nicht sie die Wichtigsten seien, sondern die „Regel des Dienens, nicht des Herrschens, Schadens und Demütigens“.

Anschließend kniete der 82-Jährige vom päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini gestützt vor jedem einzelnen Häftling nieder, darunter neben neun Italienern ein Marokkaner, ein Brasilianer und ein Mann aus Elfenbeinküste. Nach dem Ritus küsste er jedem von ihnen den Fuß und blickte vor ihm kniend zu ihm auf. Zum Abschluss des Gottesdienstes teilte das Kirchenoberhaupt anders als bei öffentlichen Messen selbst die Kommunion aus.

Der Papst feiert die Abendmahlsmesse seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren immer in Haftanstalten; der Gottesdienst erinnert an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor der Kreuzigung an Karfreitag.

(hebu/epd)
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