Infoabend in Bochum: Ruhrbistum nennt Einsatz von verurteiltem Priester „verheerend“

Infoabend in Pfarrei in Bochum-Wattenscheid : Ruhrbistum nennt Einsatz von verurteiltem Priester „verheerend“

Das Bistum Essen hat sich bei einer Pfarrei in Bochum-Wattenscheid dafür entschuldigt, dass ein zwei Mal wegen Kindesmissbrauchs verurteilter Priester dort tätig werden durfte. Der Fall des heute 85-Jährigen war Mitte November bekannt geworden.

Der Einsatz des Seelsorgers sei aus heutiger Perspektive „ein verheerender Fehler“ gewesen, erklärte Generalvikar Klaus Pfeffer am Donnerstag nach einem Treffen mit den Gremien der Pfarrei Sankt Gertrud in Bochum-Wattenscheid. Er bat auch um Entschuldigung dafür, dass die Menschen in der betroffenen Gemeinde Sankt Joseph jahrelang von der Vergangenheit des Priesters nichts wussten.

Der Fall war Mitte November bekannt geworden. Der aus dem Erzbistum Köln stammende Priester war 1972 wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen" zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Seit 1973 war er im Bistum Münster tätig, bis er 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen eine Bewährungsstrafe erhielt. Ein Jahr später kehrte er als Altenheimseelsorger nach Köln zurück. Als Ruhestandsgeistlicher war er von 2002 bis 2015 in Bochum-Wattenscheid tätig. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wird laut Bistum am Sonntag die Pfarrei besuchen.

Laut Pfeffer war der Priester als 65-Jähriger auf eigenen Wunsch in den Ruhestand nach Bochum gewechselt. Gemeindemitglieder, die von dessen Verurteilungen wussten, hätten damals das Ruhrbistum informiert. Das Erzbistum Köln habe die Vorgeschichte bestätigt, woraufhin eine psychologische Beurteilung durch den langjährigen Therapeuten des Geistlichen eingeholt worden sei. Diese habe bescheinigt, dass von dem Priester keine Gefahr mehr ausgehe.

Inzwischen sei ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet worden. Zudem habe der Kölner Erzbischof dem heute 85-jährigen Geistlichen alle priesterlichen Dienste untersagt. Der Priester war nach seinen Verurteilungen unter anderem auch in Moers, Recklinghausen und Bocholt tätig gewesen.

In einer ersten Mitteilung der Bistümer Köln, Essen und Münster hatte der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, sich erschüttert gezeigt. „Wie konnte man einen Priester, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat, dennoch weiter in der Seelsorge arbeiten lassen?“, so Vogt. „Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen?“

Die Verantwortlichen würden nach Abschluss der Untersuchungen namentlich genannt. „Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt“, kritisierte Vogt.

Das Erzbistum Köln hat Anfang dieses Jahres eine Rechtsanwaltskanzlei in München damit beauftragt, alle Fälle von sexuellem Missbrauch aus dem Erzbistum zu untersuchen. Im Fall des heute 85-Jährigen seien der Kanzlei auch die Akten der beiden anderen betroffenen Bistümer Münster und Essen zur Verfügung gestellt worden.

(kess/kna)
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