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Großajatollah betont nach Treffen mit Papst Rechte der Christen im Irak

Treffen im Irak : Großajatollah betont nach Treffen mit Papst Rechte der Christen

Insgesamt 40 Minuten dauerte das „sehr positive“ Treffen der beiden Religionsanführer, heißt es aus Nadschaf. Al-Sistani habe dem Papst bei dessen Besuch eine besondere Ehre erwiesen.

Nach dem historischen Treffen mit Papst Franziskus hat der Großajatollah der Schiiten im Irak, Ali al-Sistani, sich für die christliche Minderheit im Land stark gemacht. Christen sollten in Frieden leben und hätten die gleichen Rechte wie alle anderen Iraker, sagte er am Samstag. Die religiösen Institutionen spielten eine Rolle dabei, Christen zu schützen.

Der Vatikan gab bekannt, Franziskus habe sich bei dem Schiitenanführer dafür bedankt, dass er in einigen der gewalttätigsten Zeiten der vergangenen Jahre im Irak „seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten und Verfolgten“ erhoben habe. Al-Sistanis Botschaft des Friedens habe „die Heiligkeit“ des menschlichen Lebens bekräftigt und wie wichtig die Einheit des irakischen Volks sei. Der historische Besuch war laut Vatikan eine Chance für Franziskus, die nötige Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften zu betonen.

Die beiden Männer waren am Samstag in Al-Sistanis Zuhause in der irakischen Heiligen Stadt Nadschaf zusammengekommen. Als Franziskus auf dem Weg hinein war, flogen einige weiße Tauben als Zeichen des Friedens los.

Das insgesamt 40-minütige Treffen der beiden sei „sehr positiv“ gewesen, sagte ein Religionsvertreter in Nadschaf, der anonym bleiben wollte. Wenn Al-Sistani Gäste empfange, bleibe dieser normalerweise sitzen. Nun hätte er aber gestanden und Franziskus an der Tür seines Raumes begrüßt - eine seltene Ehre. Die Begrüßung wurde live im Fernsehen ausgestrahlt. Zu sehen war, wie Al-Sistani und Franziskus eng beieinander saßen, die Hände im Schoß. Zwischen ihnen stand ein kleiner Tisch. Nach Aussage des Religionsvertreters gab es einige Bedenken darüber, dass Franziskus am Vortag - dem ersten Tag seines Irak-Besuchs - so viele Menschen getroffen hatte. Das katholische Kirchenoberhaupt ist bereits gegen das Coronavirus geimpft worden, Al-Sistani nicht.

Die Zusammenkunft wurde monatelang von dem Büro des Ajatollahs und dem Vatikan geplant und fand hinter verschlossenen Türen statt. Thematisch erwarteten Experten, dass es um die Probleme der christlichen Minderheit im Irak gehen sollte sowie um Franziskus' Appell an die irakischen Muslime, ihre christlichen Mitbürger sinnbildlich in die Arme zu schließen. Das anschließende Zeichen der Solidarität von Al-Sistani an die christliche Minderheit könnte dieser helfen, nach Jahren der Verfolgung und Vertreibung wieder sicherer zu leben.

Al-Sistani wird im mehrheitlich schiitischen Irak verehrt; bei Schiiten weltweit sind seine Ansichten zu religiösen Fragen gefragt. Die wenigen Male, als er seine Meinungen verkündete, veränderte der zurückgezogen lebende Al-Sistani den Kurs der jüngsten Geschichte im Irak. 2014 etwa rief er in einer Fatwa, also einem religiösen Erlass, alle fähigen Männer auf, gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat zu kämpfen. Danach füllten sich die Reihen schiitischer Milizen. Als der Irak 2019 von regierungskritischen Protesten erfasst wurde, führte seine Predigt zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Adil Abdul-Mahdi.

Vor dem Eintreffen des Papstes in Nadschaf wurden dort 25 000 Sicherheitskräfte stationiert, wie der Provinzgouverneur sagte. Als Franziskus wieder abfuhr, strömten zum Abschied zig Leute auf die Straße. Anwohner Haidar Al-Iljawi sagte, der Besuch sei historisch und werde hoffentlich gut sein für den Irak und das irakische Volk.

Das katholische Kirchenoberhaupt war am Freitag im Irak angekommen und hatte dem Land so den ersten päpstlichen Besuch überhaupt beschert.

(lha/dpa)