Gott und die Welt Warum die Pfingstgeschichte Hoffnung macht

Meinung | Münster · Sprachverwirrung gibt es seit dem Turmbau zu Babel, und sie zieht sich durch unsere multikulturelle Gesellschaft. Was wir aus der Apostelgeschichte zu Pfingsten für heute lernen können.

Zwei Frauen sitzen im Sonnenuntergang vor dem Kölner Dom und unterhalten sich.

Zwei Frauen sitzen im Sonnenuntergang vor dem Kölner Dom und unterhalten sich.

Foto: dpa/Oliver Berg

Wer wünschte sich nicht, alle Sprachen sprechen oder zumindest verstehen zu können? „A little bit English“ – das hilft im Alltag: Wege werden gefunden, Bestellungen aufgenommen. Befindlichkeiten austauschen – schon schwieriger in einer fremden Sprache. Manchmal helfen Gesten oder die Mimik weiter. Für Freude und Schmerz, Trauer und Ängste gibt es eine gemeinsame Körpersprache. Auch Tiere zeigen Gefühle. Ungezählt viele Sprachen gibt es auf unserem Planeten. In Afrika gibt es Regionen, in denen Hunderte von Sprachen gesprochen werden. Inseln und abgeschiedene Täler begünstigen die Entstehung eigenständiger Sprachen. Es ist erstaunlich, wie groß die Fülle an Möglichkeiten ist, sich in einer Gemeinschaft zu verständigen.

Sprachverwirrung – es gibt sie seit dem Turmbau zu Babel. Die Geschichten aus der Urzeit im Buch Genesis erzählen von Begebenheiten, die im historischen Sinn niemals passiert sind und dennoch Bedeutung bis heute haben. Sie erinnern an etwas, was niemals war und immer ist: ein Turmbau bis zum Himmel als Zeichen menschlicher Überheblichkeit und der Zusammensturz der Träume aufgrund der Unfähigkeit, sich untereinander zu verstehen. Auch wer dieselbe Landessprache spricht, versteht sich nicht immer gut. Ob das Gemeinte beim anderen so gehört wird, ist die Frage. Mit „vier Ohren“ hören wir, heißt es in der Kommunikationspsychologie. Oft kommt es zu Missverständnissen, aus denen dann Verletzungen resultieren.

An Pfingsten haben alle die Apostel verstehen können. In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass Menschen aus allen Ländern der damals bekannten Welt am 50. Tag nach dem jüdischen Paschafest in Jerusalem waren. Und jeder hörte die Apostel in seiner Muttersprache reden. Das friedliche Treffen ist eine alte Hoffnungsgeschichte. Wann wird sie Wirklichkeit? Möge Pfingsten geschehen auch in diesen Tagen – die (neu) geistgewirkte Fähigkeit wechselseitigen Verstehens, in Familien, Kulturen und weltweit!

Unsere Autorin ist Professorin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Sie wechselt sich hier mit der evangelischen Religionslehrerin Anne Schneider, Rabbi Jehoschua Ahrens und dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ab.

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