Gott und die Welt Warnsysteme: Probe und Ernstfall

Meinung · Für Tausende von Lebewesen in Griechenland, Marokko und Libyen kam jede Hilfe zu spät. Dass nicht jedes Land über Warnsysteme verfügt, ist ein Zeichen der Ungleichheit. Was Gott damit zu tun hat.

Warnsysteme helfen dabei, Schlimmeres zu verhindern.

Warnsysteme helfen dabei, Schlimmeres zu verhindern.

Foto: dpa/Patrick Pleul

In Deutschland war es in dieser Woche eine wichtige Übung, frühzeitig auf Warnungen vor Gefahren zu achten. Eine Erprobung unserer Wahrnehmungsfähigkeit sowie der technischen Voraussetzungen geschah. Der Vorgang war für manche unterhaltsam, anderen erschien er möglicherweise lästig, viele haben ihn ernst genommen.

Es gibt den Ernstfall. Tausende von Lebewesen sind in diesen Wochen in Griechenland, Marokko und Libyen gestorben. Gegen die leidvollen Folgen von Erdbeben, Überschwemmungen und Waldbränden sind offenkundig Menschen, Tiere und Pflanzen weltweit immer weniger geschützt. In ärmeren Ländern sind die Frühwarnsysteme nicht ausgebaut und eingeübt. Die tödlichen Bedrohungen überraschen im Schlaf. Auch in unserem Teil der Welt gab es 2021 eine Nacht, in der Wassermengen in kürzester Zeit Leben ausgelöscht haben. Manche Warnungen kamen im Ahrtal damals zu spät.

Gott stirbt daran, dass er nicht hilft – dies ist eine vertraute Erkenntnis im Nachdenken über die Geschichte des Zweifels an der Existenz Gottes. Erdbeben, Seuchen und Kriege sind die bedachten Anlässe, die Idee eines allmächtigen und gütigen Gottes enttäuscht und ernüchtert aufzugeben.

Die offenen Fragen sind bis heute groß. Unterscheidungen werden vorgenommen: Ist es immer der Wille Gottes, wenn etwas geschieht? Könnte es sein, dass Gott ohnmächtig mitleidet, wenn Geschöpfe leiden? Wartet Gott ungeduldig darauf, dass wir Menschen endlich handeln? Gott soll nicht angelastet werden, was Menschen verschulden. Menschen haben die Natur verändert. Kein Krieg ist zu gewinnen – immer gibt es schuldlose Verlierer. Warum nehmen politische Systeme die angebotenen Hilfeleistungen nicht an?

Warnsysteme halten Gefahren nicht auf. Sie ermöglichen jedoch auf leichtem Weg die Kommunikation. Sie helfen dabei, Schlimmeres zu verhindern. Ärmere Länder als Deutschland haben nicht die technischen und finanziellen Möglichkeiten, Vorsorge zu treffen – Gott sei es geklagt.

Unsere Autorin ist Professorin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Sie wechselt sich hier mit der evangelischen Religionslehrerin Anne Schneider, Rabbi Jehoschua Ahrens und dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ab.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort