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Jüdisches Lichterfest: Was Chanukka mit der christlichen Bibel zu tun hat

Gott und die Welt : Was Chanukka mit der Bibel zu tun hat

Der Tora-Abschnitt, der zum jüdischen Lichterfest gelesen wird, zeigt einen entscheidenden Unterschied zur vergleichbaren Geschichte aus der Bibel. Und auch, was das für Juden bis heute bedeutet.

Momentan feiern wir Chanukka, das jüdischen Lichterfest. Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Griechen wollten ihr ganzes Reich vollständig hellenisieren. Dafür unterdrückten sie brutal die Ausübung des Judentums, doch diese Politik war nicht erfolgreich, sondern löste einen Aufstand gegen die griechischen Besatzer aus, der am Ende siegreich war – der erste Kampf um Religionsfreiheit in der Geschichte der Menschheit.

Jerusalem wurde zurückerobert, der Tempel wieder eingeweiht und das Lichterwunder geschah. Was nicht alle wissen: die jüdischen Rebellen kämpften nicht nur gegen die Griechen, sondern auch gegen hellenisierte Juden. Lehnt das Judentum also die Integration in andere Gesellschaften oder Kulturen ab? Der Tora-Abschnitt, den wir an Chanukka lesen, ist die Geschichte von Josef in Ägypten, also das Beispiel einer gelungenen Integration in ein Gastland. Es gibt nämlich einen entscheidenden Unterschied zwischen Josef in der Bibel und den hellenisierten Juden zur Zeit der Makkabäer: Während sich Josef integriert, also seine jüdische Identität neben der ägyptischen beibehält, hatten sich die hellenistischen Juden völlig assimiliert und ihre eigene Kultur für die griechische aufgegeben.

Dabei gibt es keinen Widerspruch zwischen den Kulturen der Länder, in denen wir leben, und der jüdischen Religion und Kultur. Ganz im Gegenteil: Wir Juden können die Gesellschaften, in denen wir leben, mit unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserem Kulturerbe bereichern. So wie durch Josef, sein Talent dafür nutzt, um Ägypten voranzubringen. Die jüdische Tradition lehrt uns mit dem Prinzip „Das Gesetz des Landes ist Gesetz“, dass wir die lokalen Gesetze zu achten haben.

Wir sollen uns also nicht isolieren oder separieren. Wir können beides sein: stolze Juden, die ihre Religion und Tradition achten, und loyale Bürger der Länder, in denen wir leben, und deren Kultur, Sprache und Gepflogenheiten annehmen, ohne unsere jüdische Identität aufgeben zu müssen.

Unser Autor ist Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Er wechselt sich hier mit der Benediktinerin Philippa Rath, der evangelischen Pfarrerin Friederike Lambrich und dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ab.