Gott und die Welt Nur nicht aufgeben!

Meinung · Schlimme Nachrichten über Krieg und Krisen, Islamismus und Antisemitismus verführen zur Resignation. Aber unsere Welt ist so gut und friedlich, wie wir sie gestalten.

Auch durch dunkle Wolken bricht immer wieder die Sonne durch.

Auch durch dunkle Wolken bricht immer wieder die Sonne durch.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Als Corona uns überfallartig aus dem Konzept brachte, dachte ich, bald würde alles zur Normalität zurückkehren. Kurz darauf entflammte der Krieg in der Ukraine. Und als wäre das nicht genug, wachten wir am 7. Oktober mit der erschütternden Nachricht der Hamas-Terroranschläge gegen Israel auf. Daraufhin entbrannte bei uns eine Antisemitismus-Debatte. Es ist sogar die Rede davon, wir hätten einen Tsunami an Antisemitismus und Islamismus. Wir wirken diese Ereignisse auf unser Vertrauen in eine friedliche Zukunft?

Immer wieder höre ich Menschen in meinem Bekanntenkreis resigniert vom Weltuntergang sprechen. Eine plant, aus Europa auszuwandern, weil sie der Überzeugung ist, dass es bald nur Krieg und Elend in Europa geben werde. Ein anderer will keine Kinder bekommen, um ihnen ein düsteres Leben zu ersparen. Andere meinten, diese skeptische Haltung sei ein Zeichen dafür, dass es uns sehr gut gehe, da wir uns so schnell durch solche Schicksalsschläge verunsichern ließen. Menschen in anderen Gegenden dieser Welt seien an prekäre Lebensverhältnisse gewöhnt.

Was können Religionen tun? Der Islam, wie ich ihn verstehe, lädt dazu ein, immer nach einem Grund zur Hoffnung zu suchen. Dabei soll Hoffnung keine abstrakte Kategorie bleiben, im Sinne einer konstruierten Quelle des Trostes. Hoffnung bedeutet: Es lohnt sich immer, Ja zum Leben, Ja zum Wandel, zu mehr Humanität und Menschenfreundlichkeit zu sagen. Hoffnung ist also mit einem Auftrag an einen selbst verbunden, einen Beitrag zum Wandel zu leisten. Schicksalsschläge rufen uns zu mehr gemeinschaftlicher Verantwortung und Solidarität.

Es gilt am Ende: Unsere Welt ist so gut und friedlich, wie wir sie gut und friedlich gestalten wollen. Wer aus Pessimismus resigniert, der hat den Glauben an sich selbst als Lenker der eigenen Geschichte verloren. Religionen rufen dazu auf, an sich selbst als Ebenbild Gottes (islamisch gesprochen: als Kalifen) zu glauben und entsprechend zu agieren.

Unser Autor ist Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Er wechselt sich hier mit der katholischen Theologin Dorothea Sattler, der evangelischen Religionslehrerin Anne Schneider und dem Rabbi Jehoschua Ahrens ab.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort