Kultur des Miteinanders Eine neue Perspektive für Duisburg-Marxloh

Meinung | Rüdesheim-Eibingen · In dem vermeintlich verrufenen Stadtteil im Duisburger Norden entsteht viel Neues. Deshalb ist es an der Zeit, genauer hinzuschauen – und eigene Vorurteile zu überwinden.

Die Kaiser-Wilhelm-Strasse im Duisburger Stadteil Marxloh.

Die Kaiser-Wilhelm-Strasse im Duisburger Stadteil Marxloh.

Foto: dpa/David Young

Noch selten hat mich ein Buch so bewegt und in Bewegung gebracht wie das kürzlich erschienene von Margarete Zander: „Die Marxloh-Power“. Eine Fülle von Geschichten und Begegnungen wird hier erzählt. Alle entstammen dem alltäglichen Leben. Sie spielen in Duisburgs Norden, in Marxloh, einem Stadtviertel, das ich bisher nur vom Hörensagen her kannte. No-go-Area wird es nicht selten genannt. Hier leben Menschen aus über 40 Nationen.

Nicht wenige „von uns“ schauen nur mit Vorurteilen dorthin, sind geprägt von den immer neuen negativen Nachrichten, die sich schon verselbstständigt haben und die uns hinter jedem, dessen Äußeres auch nur im Entferntesten ahnen lässt, dass er aus einer anderen Kultur kommt, einen möglichen Attentäter sehen lassen. Die Autorin kennt Marxloh von Kindesbeinen an. Nun kehrte sie zurück, um ihr Elternhaus aufzulösen. Nebenbei begab sie sich auf Entdeckungsreise und stieß dabei auf beeindruckende Menschen, die mit viel Fleiß, Mut und Toleranz ihr Leben meistern, die sich hier ein Zuhause geschaffen und die der Autorin ihr Herz und ihre Türen weit geöffnet haben.

Diese Menschen haben nie aufgehört zu träumen – von einem besseren Leben für sich und ihre Kinder, einem sich gegenseitig befruchtenden Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Und: Sie leben ihren Traum. Jeden Tag, ganz konkret. Auch viele Deutsche – alteingesessene und zugezogene – haben dieses ganz andere Marxloh inzwischen entdeckt. Haben Vorurteile über Bord geworfen und lernen von der Kultur des Miteinanders rund ums Pollmann-Eck. Und sie engagieren sich für eine gelingende Integration. Von bewundernswerten Lehrerinnen ist da die Rede, von Sozialarbeitern, von Musikern, die Menschen für klassische Musik begeistern möchten. Langsam entsteht aus der No-go-Area eine To-go-Area. Ich nehme mir fest vor, Marxloh zu besuchen, wenn ich wieder einmal in meiner Heimat bin.

Unsere Autorin ist Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen und stammt aus Ratingen. Sie wechselt sich hier mit der evangelischen Pfarrerin Friederike Lambrich, Rabbi Jehoschua Ahrens und dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ab.

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