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Kolumne: Gott Und Die Welt: Die neue Heimat

Kolumne: Gott Und Die Welt : Die neue Heimat

Es ist wunderbar zu sehen, wie die Neuankömmlinge begrüßt werden. Aber wie schaffen wir es, den Zuwanderern ein Gefühl des dauerhaften Willkommens zu geben?

Was bedeutet Heimat? Eine einfache Frage, denken Sie jetzt. Doch so ist es nicht. Die Frage greift ins Innerste von uns Menschen, sie schickt uns auf die Suche: nach Orten, die wir kennen, nach Menschen, die uns etwas bedeuten, nach Sicherheit und Geborgenheit.

Diese Suche findet sich auch in der Bibel. Dort, wo Menschen nach Jahrzehnten der Unfreiheit "nach Hause" aufbrechen. Die Zeit des Volkes Israel in Ägypten, der von Mose angeführte Zug durch die Wüste und die Verheißung des gelobten Landes, der neuen alten Heimat - das alles gehört zum Kern unserer jüdisch-christlichen Tradition. Diese Erfahrung ist nicht nur eine geschichtliche, sondern auch eine aktuelle. Es ist eine Anfrage an diejenigen, die sich auf den Weg machen, und an uns, bei denen sie ankommen: Wo und wie möchte ich in Zukunft leben? Wo fühle ich mich zuhause und finde Heimat? Was wird aus meiner gewohnten Umgebung, meinem Dorf, meiner Stadt? Damit beschäftigt sich die Caritas am morgigen Caritassonntag unter dem Motto "Stadt - Land - Zukunft" - und nimmt dabei die vielen Zuwanderer in den Blick.

Wer aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea zu uns kommt, sucht nicht nur Zuflucht, sondern Heimat. Es ist wunderbar zu sehen, wie die Neuankömmlinge willkommen geheißen werden. Aber wie schaffen wir es, den Zuwanderern ein Gefühl des dauerhaften Willkommens zu geben - und damit ein Stück Heimat? Die bergische Gemeinde Overath-Heiligenhaus hat es vorgemacht: Als vor über 20 Jahren Flüchtlinge vom Balkan und aus Afrika kamen, gründete das Dorf eine Nachbarschaftsinitiative. Die sorgte dafür, dass alle Flüchtlinge aus Containern in Wohnungen zogen; dass sie im Fußball- oder Tennisverein aufgenommen wurden; dass sie Deutsch lernen und Jobs finden konnten. Bis heute leben die meisten dieser Familien in Heiligenhaus und geben viel zurück: Sie trainieren ihrerseits Jugendfußballer, haben einen Handwerksbetrieb gegründet oder bringen den neuen Zuwandernden die deutsche Sprache bei.

Dörfliche Strukturen eignen sich für das Gelingen einer Integration von Flüchtlingen besser als oft angenommen. Die Beziehungen im Dorf sind beständig, die Menschen gut vernetzt und die Wege kurz. Man hilft einander. Die meisten Heiligenhauser, die man heute fragt, sagen: Mein zugewanderter Nachbar ist ein Gewinn. Gemeinsam gewinnen wir eine neue Heimat.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schreibt hier an jedem dritten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)