Sommerferien Warum Ferien ein Segen sind

Meinung · Die Ferien sind mehr als süßes Nichtstun – die Zeit tut Herz und Seele gut. Als biblisches Schöpfungsprogramm steht allerdings etwas Anderes über dem Leben der Menschen.

Der neunjährige Mattis erfrischt sich mit kaltem Wasser.

Der neunjährige Mattis erfrischt sich mit kaltem Wasser.

Foto: dpa/Jens Büttner

Endlich Ferien! Der Jubelruf meiner Enkel und meiner Lehrerin-Tochter erfüllt mich bei aller Mitfreude auch mit leiser Wehmut. Ich erinnere mich so gut. Erst das anstrengende Ende eines Schuljahres: letzte Klassenarbeiten und Prüfungen, das Kämpfen um gerechte Noten, die vielen Konferenzen. Und dann: endlich Ferien! Sechseinhalb Wochen unterrichtsfreie Zeit! Vorfreude auf selbstbestimmte Tagesrhythmen ohne Wecker und Schulglocken. Vorfreude auf Zeiten und Orte, die unsere Alltagsarbeit und -sorgen in die zweite Reihe rücken. Endlich Ferien! Zeit für uns selbst und für unsere wichtigsten Lebensbeziehungen. Zeit, in der wir unsere Gedanken und Gefühle ordnen, unsere Seele baumeln und unsere Herzen – vielleicht ja sogar durch Gottesworte – neu ausrichten und beglücken lassen.

„Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte“ (Genesis 2,3). So endet der erste Schöpfungsbericht der Bibel und macht deutlich: Ein besonderer Segen Gottes gilt dem Tag der Ruhe nach sechs Tagen der Arbeit. Nicht „Arbeit ist ihr Leben“ und auch nicht „Süßes Nichtstun“ steht als biblisches Schöpfungsprogramm über dem Leben der Menschen. Sondern „Segnet eure Lebenszeit, indem ihr eure Alltage unterbrecht und euch Raum nehmt für regelmäßige Ruhezeiten!“

Endlich Ferien! Mit diesem Jubelruf bin auch ich 40 Jahre lang in meine Sommerferien gestartet. Und jetzt? Meine Pensionärszeit kann durchaus als Sabbatzeit des Lebens gedeutet werden. Ich genieße sie! Warum dann Wehmut? Offensichtlich trauere ich dem Wechsel von Arbeit und Freizeit etwas nach. Und vermisse wohl – wie Christa Wolf in ihrem Roman „Kindheitsmuster“ – eine „Verzauberung“, die früher Erfahrungen und Erwartungen zu steigern vermochte. Also kein Jubel, aber doch Freude über die Ferien meiner Kinder und Enkel. Weil ihre Ferienzeit auch meinen Alltagsrhythmus segensreich unterbricht.

Unsere Autorin war Lehrerin für evangelischen Religionsunterricht und Mathematik. Sie wechselt sich hier mit der katholischen Theologin Dorothea Sattler, Rabbi Jehoschua Ahrens und dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ab.

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