Evangelische Kirche ermittelt 770 Opfer von sexuellem Missbrauch

EKD-Synode in Dresden : Evangelische Kirche ermittelt 770 Opfer von sexuellem Missbrauch

Seit einem Jahr will die Evangelische Kirche das Thema sexueller Missbrauch strukturiert aufarbeiten - inzwischen wurden etwa 770 Opfer ermittelt. Ein Betroffenenbeirat soll eingerichtet werden. Den Opfern geht das nicht weit genug.

Viele der 770 Opfer seien Heimkinder in diakonischen Einrichtungen gewesen, Übergriffe gab es aber auch in Kirchengemeinden, sagte die für die Aufarbeitung zuständige Bischöfin Kirsten Fehrs am Dienstag auf der Tagung der EKD-Synode in Dresden.

Um die Beteiligung der Opfer an der Aufarbeitung auszubauen, werde die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einen Betroffenenbeirat einrichten. Die für Prävention und Aufarbeitung für 2020 bereits eingeplanten Mittel von 1,3 Millionen Euro stocke die EKD um eine Million Euro auf, kündigte Fehrs an.

Den Opfern gingen die Schritte der Kirche nicht weit genug, sagte Kerstin Claus als Sprecherin für die Betroffenen. Die evangelische Kirche habe lange gezögert, ehe sie die Missbrauchsproblematik erst 2018 offensiv angegangen habe. Nun müsse die Kirche die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt rücken, es sei eine transparente Entschädigungsregelung nötig.

Anders als es die katholische Kirche seit Jahren tut, wolle die evangelische Kirche keine pauschalen Summen an Opfer zahlen, hatte Fehrs zuvor betont. Wie Claus sagte, gehe es nicht darum, dass die Kirche sich freikaufe. Nötig sei ein lebenslanges Bemühen, den Opfern gerecht zu werden.

(vek/dpa)
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