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Bistum Chur in der Schweiz sucht einen neuen Exorzisten

In der Schweiz : Dieses Bistum sucht einen neuen Exorzisten

Nach dem Tod von Bischofsvikar Christoph Casetti sucht das Schweizer Bistum Chur einen neuen Exorzisten. Die Teufelsaustreibung verläuft nach einem alten Ritual.

Nachfrage bestehe weiterhin, besonders bei Migranten, berichtet das Schweizer Fernsehen. Mehr als 400 Anfragen gingen jährlich bei der katholischen Kirche ein, hieß es in einem SRF-Beitrag von 2017; fast 1000 weitere Anfragen habe die Heilsarmee erhalten.

Casetti selbst sprach nicht von Teufelsaustreibung, sondern formulierte im Schweizer Fernsehen, er sei im "Heilungs- und Befreiungsdienst" tätig; wenn der Bischof die Erlaubnis gebe, könne er auch den "großen Exorzismus" beten. Der Ablauf des Rituals ist in einem lateinisch verfassten Handbuch festgelegt. Dieses sei aber "nur für den Exorzisten bestimmt", schreibt das Bistum Basel.

Oft fühlten sich Menschen von "unsichtbaren Mächten" bedroht und wollten sich von diesen befreien, so der Baseler Pressesprecher Hansruedi Huber. "Sie verlangen dann manchmal einen Exorzismus, ohne aber genau zu wissen, was das ist." Seelsorger berieten die Hilfesuchenden, wiesen auch auf psychologische oder psychiatrische Ursachen hin und vermittelten Betreuung.

"In den meisten Fällen", so Huber, helfe den Betroffenen bereits "ein gemeinsames Gebet". Kommt es tatsächlich zu einer Teufelsaustreibung, verlaufe diese "nach einem alten Ritual" und umfasse Gebete und Segnungen, zitiert der Zürcher "Tagesanzeiger" den Bistumssprecher weiter.

Casetti sagte dem SRF, er lade "die Bedrängten ein, auf das Kreuz zu schauen". Christus habe "am Kreuz das Böse besiegt", könne also "als Vorbild bei der Überwindung der dämonischen Kräfte angesehen werden". In erster Linie werde das Kreuz aber den Dämonen selbst gezeigt, von denen die "Bedrängten" besessen seien. Mit der Formel "Seht das Kreuz des Herren, fliehet, ihr feindlichen Mächte" würden sie ausgetrieben.

Unbedingt dazu gehöre das Weihwasser, so Casetti. Die Reaktion darauf sei "oft sehr heftig". Manche "Patienten beziehungsweise Dämonen" riefen: "Hör auf, das brennt, das brennt!" Ein bis zwei Exorzismen führte Casetti nach eigenen Angaben jährlich durch. Er habe auch schon erlebt, dass er über Skype mit jemandem sprach und dabei aus dem Nichts hebräische Schriftzeichen auftauchten, sagte Casetti einmal der Zeitung "Blick"; "oder jemand, der keine große Bildung besitzt, verstand plötzlich Latein". Das seien "klare Zeichen" für eine Besessenheit.

"Das Leid dieser Menschen ist ungeheuer groß", wird Casetti zitiert; man müsse ihnen helfen. Bei einem großen Exorzismus werde aber ein Arzt hinzugezogen. Manchmal müsse man auch "jahrelang beten". Der sogenannte kleine Exorzismus komme dagegen häufig vor. Dieser sei "weit weniger spektakulär als das, was man in Filmen sieht".

(lukra/kna)