Neuss: Rekord-Wärme sorgt für Rekord-Rüben

Neuss : Rekord-Wärme sorgt für Rekord-Rüben

Der deutlich zu milde November fügt sich ins Jahresbild: 2014 wird wohl als wärmstes Jahr seit 1881 in die Annalen eingehen. Derzeit profitieren die Rübenbauern von den Temperaturen. Richtig kalt wird es im Rheinland vorerst nicht.

Über das Wetter mag sich Juliane Wahode nicht beschweren. "Unsere Zuckerrüben sind so groß, dass es manchmal schon heikel wird mit den Maschinen", sagt sie. Wahode führt einen Ackerbaubetrieb in Neuss-Holzheim - und rechnet in diesem Jahr mit einem Rekordernteertrag von 85 Tonnen pro Hektar. Bisher waren 77 Tonnen die Bestmarke. "Ein solches Niveau hatten wir noch nie", sagt auch Peter Kasten, Geschäftsführer des Rheinischen Rübenbauern-Verbandes. Der Grund: Es ist deutlich zu warm für die Jahreszeit. Die Wärme aber lässt die Zuckerrübe wachsen. Und ein Ende der milden Temperaturen ist vorläufig nicht in Sicht.

Am Wochenende erreichen die Werte im Rheinland und im Ruhrgebiet sogar wieder frühlingshafte Dimensionen. Laut Rainer Buchhop vom Wetterdienst Meteogroup sind Samstag bis zwölf, Sonntag sogar bis 15 Grad möglich. Deutschland ist allerdings zweigeteilt. Die Osthälfte steht unter dem Einfluss eines Hochs über Russland, das kalte Luft zu uns schaufelt. Im Osten wird es daher kaum wärmer als sechs Grad. Ins Rheinland aber fließt milde Luft aus Südwesten. "Auch wenn die Werte im Westen nächste Woche wieder einstellig werden, kann sich der Winter bis zum Monatsende nicht durchsetzen", sagt Dominik Jung, Meteorologe bei wetter.net.

Der viel zu warme November passt ins Jahresbild: Laut Jung wird 2014 als wärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 in die Annalen eingehen. Daran könne auch ein sehr kalter Dezember nichts mehr ändern. "Bei der jährlichen Durchschnittstemperatur wird 2014 eine Zehn vor dem Komma stehen", sagt Jung. Bisher war 9,9 Grad im Jahr 2000 der höchste Wert gewesen. Derzeit liegt die Durchschnittstemperatur bei 11,2 Grad.

Die Natur begreift das vor allem als Wachstumssignal. Nicht nur das Gras sprießt allerorten, auch die Wintergemüse-Kulturen auf den Feldern gedeihen sehr gut. "Sie dürfen nur nicht zu groß werden, weil sie dann empfindlicher auf Frost reagieren", sagt Peter Muß, stellvertretender Geschäftsführer des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Negativ ausgewirkt hat sich für viele Landwirte eher eine Begleiterscheinung der Wärme - der Regen. Die Böden sind zu nass, das erschwert beispielsweise die Ernte der Zuckerrüben. Zudem ist deren Zuckergehalt nicht so hoch, weil im Sommer, vor allem im August, die Sonne fehlte.

Während die einen sich über die Wärme freuen, warten andere auf den Frost. Die Christbaum-Produzenten im Sauerland halten sich mit dem Schlagen der Bäume weitgehend noch bis zum ersten Frost zurück. Erst dann nämlich schließen die Bäume ihr Wachstum ab und sind länger haltbar. Die Qualität von Nordmanntanne, Blaufichte und Co. ist nach Auskunft der Erzeuger aber gut. "Der Sommer war feucht und nicht zu heiß. Das ist gut für die Bäume", sagt der Sprecher der Christbaum-Erzeuger im Landesverband Gartenbau NRW, Eberhard Hennecke. Auch die Bauern wünschen sich den Frost, weil er den Boden lockert. Das eindringende Wasser friert, sprengt die Erde auseinander und verbessert so die Durchwurzelbarkeit.

Aber macht der Winter wirklich nochmal ernst? Wetterexperte Jung verweist auf Computer-Modelle des US-Wetterdienstes, der für Europa bis Februar zu milde Temperaturen errechnet hat. "Das ist zwar sehr vage, aber auf einen kalten Winter deutet bisher nichts hin", sagt Jung. Dafür, dass sich der kommende Winter ähnlich verhält wie der vergangene, könnte sprechen, dass im Norden der USA bereits Schneestürme toben. Das war auch 2013/14 so - Kälte in den USA, Wärme in Europa. Meteorologe Buchhop warnt jedoch vor voreiligen Rückschlüssen. Das Wetter sei zu komplex für langfristige Vorhersagen. 2009 etwa war der November drei Grad zu warm und der Winter zwei Grad zu kalt. 2006 war der November 2,5 Grad zu warm und der Winter drei Grad zu warm. Heißt: Es wird, wie es wird.

(RP)
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