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Blinde Verliebtheit und Absturz aus dem siebten Himmel: Psychologe: Ein mieser Abgang kann dem Verlassenen helfen

Blinde Verliebtheit und Absturz aus dem siebten Himmel : Psychologe: Ein mieser Abgang kann dem Verlassenen helfen

Frankfurt/Main (rpo). Der Absturz von Wolke sieben auf den harten Boden der Realität ist äußerst schmerzhaft. Jetzt hat es auch Schlagerproduzent Ralph Siegel erwischt, nachdem Nadja "Naddel" Abdel Farrag ihn mit einer Handy-Nachricht verlassen hat. Der Kölner Psychologe Peter Gross gewinnt dem Ganzen aber auch Positives für Siegel ab.

Nur Tage zuvor hatte er jedem, der es hören wollte, gesagt, dass er glaube, ihre Liebesbeziehung werde bis ans Lebensende halten. Solche Vorstellungen sind typisch für die heiße Phase des Verliebtseins, sagt Peter Gross, aber oft eben nichts als Wunschdenken.

Die rosarote Brille des Verliebtseins blende alle Signale aus, die gegen die Beziehung sprechen. Zugleich verstärke der Verliebte im Bewusstsein alle Signale, die in sein Wunschbild passen. Auf diese Weise entstünden blinde Flecken: "Ich biege mir die Realität nach Wunsch zurecht", erklärt Gross. "Jeden Schatten des Zweifels wehrt man ab." Das sei gerade bei erfolgreichen, mächtigen Menschen oft so. "Sie können es nicht ab, wenn sie keinen Einfluss mehr haben und sich etwas Begehrtes auch nicht mit Geld kaufen können", weiß der Psychologe. "Sie versuchen, die Realität zu zwingen."

Verliebtheits-Strohfeuer brechen nach der Erfahrung von Gross unter Schauspielern besonders häufig aus. "Jeder Film, jedes Theaterstück ist verbunden mit einer neuen heftigen Liebe." Dieses "Sensationserleben" könne auch süchtig machen. Wenn das große Gefühl abflaut, erscheine der oder die Angebetete oft plötzlich fremd, und der Gerade-noch-Verliebte frage sich: "Wieso konnte ich mich in die oder den so vergucken?"

Alter schützt vor Vergucken nicht, wie der 56-Jährige Siegel zeigt, der bereits von mehreren Partnerinnen verlassen wurde. Immer wieder dieselbe Erfahrung machten alle diejenigen, die "nicht an sich gearbeitet haben". Um Erfahrungen richtig zu interpretieren, brauche es Intelligenz, sagte Gross. Wer seine eigenen Anteile am Scheitern einer Beziehung nicht wahrhaben wolle, lerne nichts für sein Verhalten.

Ein Grund für die "Abwehr von Einsichten" kann nach den Worten des Psychologen darin liegen, dass Prominente leicht verletzbar sind. Um Kritik nicht annehmen zu müssen, "stempelt man zum Beispiel alle Kritiker zu Idioten ab", erklärt Gross. Das sei häufig bei Politikern der Fall, die mit dem Amt ein geringes Selbstbewusstsein ausgleichen wollen. Machtverlust zum Beispiel am Ende einer Partnerschaft werde als starke Bedrohung empfunden. Ähnliches erlebe derjenige, dessen Selbstwertgefühl vom Job abhänge, am Ende der Karriere.

"Wer viel Geld hat, ist auch attraktiv"

Nach dem Absturz aus dem siebten Himmel empfehlen Psychologen, nicht dauernd daran zu denken "was habe ich jetzt nicht mehr". Der Verlassene sollte umgekehrt sich auf die Vorteile konzentrieren. Ein mieser Abgang des Partners kann hilfreich sein. Dann könne man erleichtert aufatmen: "Jetzt erkenne ich erst, welche Schlange ich an meinem Busen genährt habe." Ralph Siegel habe auch noch andere Kompensationsmöglichkeiten: "Er schreibt vielleicht traurige Songs", mutmaßt Gross.

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Erfolgreiche Männer haben es allerdings auch leicht, immer wieder eine neue Flamme zu finden. "Bei Prominenten ist egal, wie sie aussehen, die brauchen sich keine Sorgen zu machen", meint Gross. Das Materielle spiele für Frauen bei Beziehungen eine viel größere Rolle, als man denke. Wer viel Geld hat, wird nach den Worten des Psychologen auch attraktiv. Aus dem Begehren wüchsen Gefühle, und die "machen Leute auch schön, je mehr man sie mit den Augen der Liebe anschaut".

Das sei auch eine Frage der Reife. In jungen Jahren spielten Persönlichkeitsmerkmale überhaupt keine Rolle bei der Partnerwahl; da zählten nur biologische Reize, erklärt Gross: "Bei reiferen Menschen können auch verschrumpelte Milliardäre attraktiv sein."

Dass erfolgreiche Männer als Beute so genannter Luder dargestellt werden, trifft nach Angaben des Psychologen nicht die Realität. "Wenn so?n alter Hahn, der einen Haufen Kohle hat, von einem jungen Mädchen angeschaut wird, kann den das zum Schmelzen bringen."

(RPO Archiv)