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Düsseldorf: Nur Firmen nutzen Googles Datenbrille

Düsseldorf : Nur Firmen nutzen Googles Datenbrille

In diesem Jahr sollte ursprünglich die "Google Glass" für Verbraucher auf den Markt kommen. Doch wegen eklatanter Schwächen zog der US-Konzern das Produkt in den USA zurück. Trotzdem findet es in der Gewerbebranche Nutzer.

Die Datenbrille "Google Glass" ist 2012 als eine der innovativsten Erfindungen vorgestellt worden. Die Entwickler versprachen, dass man künftig ohne sie nicht mehr auskomme. Doch schnell zeigte sich, dass die Brille beim Verbraucher nicht ankommt.

Im Januar zog Google die Reißleine und nahm "Glass" in den USA vom Markt. "Glass ist ein Flop", sagte der Google-Finanzvorstand Patrick Pichette. Jetzt räumte er sogar freiwillig seinen Stuhl. Ein anderer soll Google und das Brillen-Projekt vorantreiben. Dabei bietet es gute Ansätze, die vor allem bei Firmen gefragt sind. Der Multi-Technologiekonzern 3M setzt sie am Neusser Standort als eine Art Audio-Guide ein, wie er in Museen genutzt wird. Doch im Alltags-Test in der Düsseldorfer Innenstadt zeigte die Innovation wieder ihre Schwächen.

Die Brille - ein dünner Draht, der vom einen Ohr über die Nase bis zum anderen Ohr reicht, sowie der klobige Plastikklotz, der Mini-Rechner und Bildschirm verbindet - bieten die Möglichkeit, freihändig im Internet zu surfen, Fotos und Videos aufzunehmen und ins Internet zu stellen. Sogar den Standort des geparkten Autos kann die Brille via GPS im Augenwinkel anzeigen. Dafür muss sie nur mit dem Smartphone synchronisiert werden. Doch erst zickte "Glass" beim Einschalten, dann war das Bild, das ein Mikrodisplay überm Augenwinkel anzeigt, unscharf. Zudem hakte die Sprachsteuerung. Denn die Brille reagiert nur auf Englisch - funktioniert aber selbst auf langsames Sprechen schlecht.

Die Wörter "Ok Glass" aktivieren die Software. Das klappte. Der Befehl: "Get directions to Düsseldorf Rhine Tower" aber nicht. "Rheintunnel" war noch der beste Treffer. Statt des Rheinturms fand die Navigation eine Adresse in Frankfurt am Main. Reisedauer etwa 43 Stunden - zu Fuß. Neuer Versuch: "Königsallee, Düsseldorf." Auf dem Display leuchtet eine Karte mit der Beschriftung "Silicon Valley, California, USA" auf. Auch die Google-Suche haperte. Informationen über die Altstadt lieferte "Glass" auch nicht.

Dafür funktionierte das Fotografieren, Filmen und Synchronisieren mit dem Android-Handy problemlos. Auch die Steuerung durch das Menü, indem der Nutzer mit der Hand an der Brille nach links, rechts, oben und unten wischt, klappte. Dennoch ist das zu wenig. Immerhin sollte die Datenbrille rund 1500 Euro kosten. Zu viel angesichts der eklatanten Schwächen. Außerdem sorgt Konkurrent Apple mit der "Apple Watch" schon für Furore. Mit ihr sind ähnliche Anwendungen möglich, sie ist ausgereifter und mit rund 400 Euro wesentlich günstiger als die Google- Brille.

Doch die Entwicklung geht weiter. Derzeit wird an einer neuen "Google Glass"-Version gearbeitet. Und auch die alte Brille erfährt gerade eine Renaissance. Im Teilelager des VW-Konzerns in Wolfsburg soll sie bald Logistikmitarbeitern helfen, die richtigen Bauteile zu finden. Neben "Google Glass" wird aber noch ein Produkt des Konkurrenten Vuzix getestet. "Wir haben die Technik eingeführt. Jetzt müssen wir die Praktikabilität und Alltagstauglichkeit erproben", sagt Claus-Peter Tiemann, Sprecher des VW-Werks Wolfsburg, gegenüber dem "Manager Magazin Online". Das Logistikunternehmen DHL ist schon einen Schritt weiter. Laut Firmen-Angaben wurde bei Tests eine Effizienzsteigerung von etwa 25 Prozent festgestellt. Industrie und Logistik scheinen die Brille für sich zu entdecken. Und das könnte der Rettungsanker für ein bereits gescheitertes Produkt sein.

(RP)