Tino Brandt soll auch Jugendliche an Freier vermittelt haben: Mutmaßlicher NSU-Helfer wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch in Haft

Tino Brandt soll auch Jugendliche an Freier vermittelt haben : Mutmaßlicher NSU-Helfer wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch in Haft

Der mutmaßliche NSU-Helfer Tino Brandt ist wegen des Verdachts des Kindesmissbrauch festgenommen worden. Gegen Brandt sei am Mittwoch Haftbefehl erlassen worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock am Donnerstag. Damit bestätigte er einen Bericht der Online-Ausgabe der "Thüringer Allgemeinen".

Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Kindes habe sich aufgrund von Zeugenaussagen ergeben. Laut "Thüringer Allgemeinen" gibt es detaillierte Aussagen eines zur Tatzeit 15-Jährigen, den Brandt sexuell missbraucht und anschließend an Freier vermittelt haben soll. Gegen Brandt laufen bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Zuhälterei. In diesem Zusammenhang wurde laut Staatsanwaltschaft bereits in der vergangenen Woche die Rudolstädter Wohnung Brandts durchsucht. Dabei seien Mobiltelefone und Computer beschlagnahmt worden, sagte Villwock. Die Auswertung der Geräte sei aber sehr aufwendig und deshalb noch nicht abgeschlossen.

Nach Informationen der Zeitung wurden darüber hinaus die Wohnungen von mindestens fünf Jugendlichen und Männern durchsucht, die sich im Auftrag Brandts prostituiert haben sollen. Der Zuhälterei-Verdacht ergab sich dem Bericht zufolge während der Betrugsermittlungen, die bereits seit mehr als zwei Jahren gegen Brandt und weitere Beschuldigte laufen. Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation "Thüringer Heimatschutz", dem zeitweise auch die die Mitglieder der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehört haben sollen.

Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 soll er sich an der Unterstützung des späteren NSU beteiligt haben. Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100.000 Euro, die er über die Jahre für seine Spitzeldienste erhielt, will er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene benutzt haben. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.

Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht, in dem sich derzeit unter anderem Zschäpe verantworten muss, soll Brandt als Zeuge aussagen. Der Sprecher der Geraer Staatsanwaltschaft sagte, trotz seiner Verhaftung könne Brandt im Prozess vorgeführt werden. Dem NSU werden zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Zschäpe soll zusammen mit Böhnhardt und Mundlos, die sich nach einem missglückten Banküberfall im November 2011 das Leben genommen hatten, die rechtsextreme Terrorzelle gebildet haben.

(DEU/dpa)
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