Düsseldorf: NRW-Friedhof: Kreuz soll roter Fahne weichen

Düsseldorf : NRW-Friedhof: Kreuz soll roter Fahne weichen

Das Gefangenenlager trug den Namen "Stalag 326". Dort starben in der NS-Zeit 65 000 sowjetische Kriegsgefangene. Nach der Befreiung im April 1945 wurde in Schloss Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) von den Überlebenden ein Obelisk errichtet. Die Spitze verzierte eine rote Fahne mit Hammer und Sichel in Form einer Glasplastik. Mitte der 50er Jahre wurde das Symbol auf Anordnung der damaligen Landesregierung abgebaut und durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. Nun plant die Staatskanzlei, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dies hatte der im linken Spektrum angesiedelte Verein "Blumen für Stukenbrock" angeregt. Die Pläne existieren schon lange. Nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf bat die Initiative Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) um Unterstützung. Mit Erfolg: Die Landesregierung erteilte die Anweisung, den Umbau in die Wege zu leiten.

Ein Sieg für die Erinnerungskultur? Oder ein unangemessenes Signal? Darüber ist gestern im Hauptausschuss des Düsseldorfer Landtags ein heftiger Streit entbrannt. Die Fahne sei ein politisches Symbol, das auf einem Friedhof nichts zu suchen habe, kritisiert Michael Brinkmeier von der CDU-Fraktion. "Die Befreiten konnten sich damals nicht frei entscheiden, wie der Obelisk aussehen sollte", so argumentiert der Unions-Politiker. Sie seien unter der roten Fahne Stalins nicht glücklich gewesen. Zudem würde der Abbau des Kreuzes gegen den Willen der orthodoxen Kirche geschehen.

Dieser Punkt war in der Vergangenheit anders bewertet worden. In einem Schreiben der russischen Botschaft aus dem Jahr 2006 hieß es, die orthodoxe Kirche stimme dem Plan zu, das Kreuz "in unmittelbarer Nähe des Obelisken" wieder aufzubauen. Dem Plan, die "Originalsymbolik" zum Andenken an die sowjetischen Kriegsgefangenen wiederherzustellen, werde zugestimmt.

Nun stellt sich die Situation offenbar anders dar. In der vergangenen Woche meldete sich der Geschäftsführer der Konferenz der Orthodoxen Kirchen in Deutschland, Nikolaj Thon, telefonisch bei der Düsseldorfer Staatskanzlei und erklärte, man sei keineswegs mit dem Umbau einverstanden. Von einer Absprache im Jahr 2006 wisse er nichts.

Hubert Kniesburges ist der Vorsitzende des Vereins "Blumen für Stukenbrock". Er hält Kontakt zu 48 Überlebenden des Konzentrationslagers. "Es wäre eine Respektlosigkeit gegenüber den Opfern, den jetzigen Zustand zu belassen", sagt Kniesburges. Die Landesregierung erklärte, sie werde sich um eine "zufriedenstellende Lösung" für alle Beteiligten bemühen. Schon jetzt ist klar, dass das keine einfache Aufgabe ist.

(RP)
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