Andere Verkehrssitten Darum bildet man in den Niederlanden keine Rettungsgasse

Zevenaar · Für viele Autofahrer aus Deutschland ist es wie ein Reflex: Im Stau wird eine Rettungsgasse gebildet. In den Niederlanden aber kann das auf der Autobahn zu einem gefährlichen Unterfangen werden.

 Auf der A12 bei Zevenaar staut sich regelmäßig der Verkehr.

Auf der A12 bei Zevenaar staut sich regelmäßig der Verkehr.

Foto: Maarten Oversteegen

Niederländer wundern sich bisweilen über das Fahrverhalten der Deutschen. Vor allem dann, wenn es zu Staus kommt. Denn: Wie selbstverständlich bilden Autos mit weißen Kennzeichen dann eine Rettungsgasse. Wer auf der äußerst linken Spur fährt, weicht nach links aus. Wer auf der mittleren oder rechten Spur unterwegs ist, fährt nach rechts. Gelernt ist gelernt. Wer in Deutschland gegen die Vorschrift zur Bildung einer Rettungsgasse verstößt, muss mit mindestens 200 Euro Bußgeld und zwei Punkten in Flensburg rechnen.

Für viele Niederländer aber kommt die Bildung einer Rettungsgasse auf der Autobahn überraschend. Denn: Im Nachbarland ist sie nicht verpflichtend. Grundsätzlich fahren Rettungsdienste stattdessen auf dem Standstreifen. Nur wenn der auf der Autobahn nicht vorhanden ist, was kaum vorkommt, nutzen die Einsatzkräfte eine Gasse zwischen linker und mittlerer Spur.

Auf der Autobahn 12 zwischen Emmerich und Arnheim sieht man immer wieder, dass die unterschiedlichen Ansätze für Probleme sorgen. Dort staut sich regelmäßig der Verkehr, gerade jetzt zu Ferienbeginn. Schließlich ist die Autobahn ein Einfallstor für Deutsche auf dem Weg in Richtung Nordsee-Strände. Autos aus Deutschland fahren im Stau auf den rechten Spuren nach rechts, also in Richtung Standstreifen. Polizei und Krankenwagen haben dann mitunter Schwierigkeiten, an den Autos vorbeizukommen, denn sie nutzen den Standstreifen, nicht die Rettungsgasse.

Zur Wahrheit aber gehört: Verboten ist es nicht, eine Rettungsgasse zu bilden. Tatsächlich gibt es im Königreich sogar ein Schild, das die Verkehrsteilnehmer ausdrücklich dazu auffordert. Wenn das aber nicht zu sehen ist, bilden die Niederländer in der Regel auch keine Rettungsgasse. Damit der Standstreifen bei unseren Nachbarn auch tatsächlich frei bleibt und Einsatzkräfte schnell von A nach B kommen, ist das Bußgeld bei Verstößen hoch. Wer den Standstreifen ohne triftigen Grund – etwa eine Panne oder akute gesundheitliche Beschwerden – befährt, muss mit einem Bußgeld von 420 Euro rechnen. 280 Euro sind es, wenn man auf dem Standstreifen hält, ohne tatsächlich in Not zu sein. Übrigens: Mit der Pflicht zur Rettungsgasse steht Deutschland in Europa nicht alleine da. Auch in Belgien, Luxemburg, Österreich oder Ungarn gibt es sie.