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De Koog: Finnwal vor Texel ist größtes angespültes Tier der Niederlande

Kadaver strandete 2017 an der Küste : Vor Texel angespülter Finnwal ist jetzt Rekordhalter

Im Jahr 2017 ist ein gigantischer Finnwal vor der niederländischen Ferieninsel angespült worden. Präparator Chris Walen hat nun eine Entdeckung gemacht, die einen mehr als 120 Jahre alten Rekord übertrifft.

Es galt im Jahr 2017 schon als sensationeller Fund, jetzt hat es sogar den Einzug in die Geschichte der niederländischen Meeresforschung geschafft: Das Finnwal-Weibchen, das im Sommer 2017 an den Strand der Ferieninsel Texel angespült wurde, ist Rekordhalter – als bislang größtes Tier, das jemals an die Küste unseres Nachbarlandes geschwemmt wurde. Das hat Präparator Chris Walen herausgefunden, der im Auftrag des niederländischen Institutes für Meeresforschung, Ecomare, das Skelett des Giganten gereinigt und so aufbereitet hat, dass es bald in dem Museum auf der Insel ausgestellt wird. Bei der Zusammensetzung des Skelettes hat der Utrechter nun festgestellt, dass insgesamt acht Wirbel fehlen – bislang war er davon ausgegangen, dass es nahezu vollständig an Land gespült worden war.

Weil nun diese Wirbel fehlen, muss die ursprünglich angenommene Größe von knapp 19 Metern korrigiert werden – um mindestens fünf Meter. Damit übertrifft das Tier nun den bisherigen Höchstwert eines angespülten Tieres. Der lag bei 22,5 Metern und stammt aus dem Jahr 1895. Seinerzeit war ebenfalls ein Finnwal am Strand von Callantsoog, unweit von Texel in der Provinz Noord-Holland gelegen, angespült worden. Das Tier aus 2017 soll also mindestens 24 Meter groß gewesen sein. Seine Kieferknochen sind gut fünfeinhalb Meter, die Fluke etwa drei Meter groß; Experten schätzten das Gesamtgewicht des Tieres bislang auf etwa 30 Tonnen – gut möglich, dass auch dieser Wert nun korrigiert werden muss.

Acht Wirbel aus einem als vollständig geltenden Kadaver verschwunden – das klingt zunächst kurios, hat aber eine recht einfache Erklärung. Denn bei der Aufarbeitung und weiteren Untersuchung der Knochen hat sich ergeben, dass der Wal nicht einmal, wie zunächst angenommen, sondern offenbar gleich zweimal von einem Schiff angefahren wurde, meldet der „Texelse Courant“, die dortige Zeitung. Demzufolge sei das Tier nach dem ersten Zusammenstoß bereits seinen Verletzungen erlegen. Eine weitere Kollision muss erfolgt sein, als der Verwesungsprozess des Kadavers bereits begonnen hatte. Dabei müssen dann die Wirbel aus dem Körper herausgedrückt worden sein. Als das Tier dann an Land gespült wurde, war der Vorfall schon so lange her, dass diese Details nicht auf Anhieb ersichtlich waren. Was noch dafür spricht: Teile der Barten waren dem Tier schon ausgefallen, und auch der intensive Geruch, den es seinerzeit ausströmte, deutet darauf hin.

Finnwal am Strand von Texel angespült

Auch wenn die Wirbel nun fehlen, soll das Skelett noch in diesem Jahr im Ecomare auf Texel zu sehen sein. Das Forschungszentrum hatte dazu einen öffentlichen Aufruf zu einer Gruppenfinanzierung („Crowdfunding“) der Maßnahmen aufgerufen. „Patenschaften“ für Barten gab’s für zehn Euro, für einen Knochen waren 50 Euro zu bezahlen. Die Aktion ist inzwischen abgeschlossen. Und schon jetzt ist der gewaltige, sechs Meter lange Schädel in einer der Räumlichkeiten ausgestellt; in der ersten Hälfte 2022 soll das gesamte Skelett folgen. Chris Walen soll die fehlenden Wirbel nachbauen; sie werden dann eine andere Farbe haben, um so auch sichtbar zu sein. Anschließend wird das Skelett an der Decke im Museum befestigt.