Sexarbeit in Amsterdam EU-Arzneimittelbehörde will kein Erotikcenter als neuen Nachbarn

Amsterdam · Wegen Anwohnerbeschwerden will Amsterdam die Sexarbeit im traditionellen Rotlichtviertel De Wallen beenden. Als Ersatz sollen große Bordelle dienen - und dafür käme ein Standort in der Nähe des Sitzes der EMA infrage.

Blick auf eine Gracht im Rotlichtbezirk De Wallen in Amsterdam aus dem Jahr 2011 (Archivfoto).

Blick auf eine Gracht im Rotlichtbezirk De Wallen in Amsterdam aus dem Jahr 2011 (Archivfoto).

Foto: dpa/Koen Van Weel

In der Corona-Pandemie war die Expertise der EU-Arzneimittelbehörde EMA ständig gefragt, nun bereitet ihr ein ganz anderes Problem Kopfzerbrechen: In der Nähe ihres Sitzes in Amsterdam soll ein riesiges Erotikcenter entstehen. Sie sei über den Vorschlag des Amsterdamer Stadtrats „äußerst besorgt“, erklärte am Dienstag die EU-Behörde, die 2019 wegen des Brexit von London in die niederländische Metropole umgezogen war.

Die EMA äußerte in ihrer Erklärung die Befürchtung, dass der neue Nachbar „Sicherheitsprobleme und Belästigungen“ mit sich bringe. Dies betreffe sowohl die EMA-Mitarbeiter als auch die von der Behörde empfangenen Delegationen, die den EMA-Sitz oft erst spät am Abend verließen.

„Die Ortsänderung des Rotlichtbezirks ist motiviert durch Sorgen wegen Belästigung, Drogenhandels, Trunkenheit und ordnungswidrigen Verhaltens“, erklärte die EMA. „Das Erotikcenter in unmittelbarer Nähe der EMA anzusiedeln wird wahrscheinlich die gleichen negativen Auswirkungen in der Umgebung mit sich bringen.“

Zwei der drei Standorte, die die Amsterdamer Stadtverwaltung für das riesige Bordell in Betracht zieht, befinden sich in der Nähe des EMA-Sitzes in einem Geschäftsviertel in einem südlichen Außenbezirk von Amsterdam.

Die EMA will sich zur Wehr setzen und dafür die EU-Kommission bitten, die Angelegenheit auf „höchster politischer und diplomatischer Ebene“ anzusprechen, um für die EMA-Mitarbeiter „ein sicheres Arbeitsumfeld sicherzustellen“.

Die Behörde, die eine zentrale Rolle bei der Zulassung von Corona-Impfstoffen in der EU gespielt hat, verwies selbstbewusst auf ihre Bedeutung. „Die Arbeit der EMA ist entscheidend für den Schutz der öffentlichen Gesundheit in der EU und dies sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden durch Angst von Mitarbeitern und EU-Experten, zum EMA-Gebäude zu kommen“, hieß es in der Erklärung.

Die EU-Behörde kritisierte, dass sie von den Plänen der Stadtverwaltung erst aus örtlichen Medien erfahren habe. Aus ihrer Sicht hätte sie vorab konsultiert werden müssen.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, von jedem der drei möglichen Standorte des Erotikcenters sei die EU-Behörde „mindestens einen halben Kilometer“ entfernt. Die Polizei gehe außerdem davon aus, dass die Kunden sich nicht auf der Straße aufhalten würden wie im Rotlichtviertel.

Das Erotikcenter soll Arbeitsplätze für etwa 100 Sex-Arbeiterinnen bieten. Die Amsterdamer Stadtverwaltung arbeitet wegen zahlreicher Beschwerden von Anwohnern daran, die Prostitution im traditionellen Rotlichtviertel De Wallen zu beenden.

(peng/AFP)