Maschine verlor 200 Liter Kerosin pro Sekunde Neue Berichte über Concorde-Absturz

Paris (dpa). Die am 25. Juli bei Paris abgestürzte Concorde hat nach Informationen der französischen Zeitung "France-Soir" nach der Beschädigung ihrer Tanks rund 200 Liter Kerosin pro Sekunde verloren. Das Blatt stützt sich in seiner Samstag-Ausgabe auf Angaben aus dem Zwischenbericht der Flugunfall-Untersuchungsstelle BEA. Es bestätigt, dass der Pilot aufgrund der ihm vorliegenden Informationen zu Unrecht von einem Triebwerk-Brand ausging und vorsätzlich Triebwerk Nummer zwei abschalten ließ. Er folgte damit dem für solche Fälle vorgesehenen Standardverfahren.

Die auf dem Flughafen Charles de Gaulle gestartete Maschine war kaum 500 Meter von der rettenden Landebahn des benachbarten Airports Le Bourget abgestürzt, als neben dem abgestellten Antrieb auch das benachbarte Triebwerk Nummer eins versagte. Das 187 Tonnen schwere Überschall-Verkehrsflugzeug hatte zu diesem Zeitpunkt eine Geschwindigkeit von etwa 380 Stundenkilometern. Der als Auslöser für die zum Absturz führende Verkettung unglücklicher Umstände angesehene Reifenplatzer in der Startphase hatte den Jet bereits am Boden stark nach links schwenken lassen.

Seitliche Begrenzung beschädigt

Dabei wurde eine seitliche Begrenzung beschädigt, berichtet am Samstag die Zeitung "Liberation", die der Besatzung des Flugzeugs hohe Professionalität und Kaltblütigkeit bescheinigt. Der Reifenplatzer wurde aller Wahrscheinlichkeit nach durch ein 43 Zentimeter langes und knapp 30 Zentimeter breites Metallstück auf der Startbahn ausgelöst, das offensichtlich von einem zuvor gestarteten Flugzeug stammt. Es ist in regelmäßigen Abständen durchbohrt und weist an einigen Stellen Nieten auf, wie sie im Flugzeugbau eingesetzt werden.

Am Vortag war bekannt geworden, dass die regelmäßige Inspektion der Startbahn am Unglückstag wegen einer Feuerwehrübung nur am Morgen sowie am Mittag auf einem von der Concorde nicht benutzten Teilstück durchgeführt worden war. Ein Anwalt von Angehörigen der vier am Boden ums Leben gekommenenden Opfer des Absturzes fordert eingehende Studien der Ermittler in den USA beim Reifenhersteller Goodyear. Die französischen Concordes benutzen Reifen dieses Fabrikats. Er will vor allem die Frage geklärt wissen, ob nicht eventuell Qualitätsmängel vorliegen, da am Pistenrand bis zu vier Kilogramm schwere Teilstücke der Concorde-Reifen gefunden wurden.

Der für die Angehörigen mehrerer deutscher Opfer tätige Anwalt Christof Wellens erklärte dem Magazin "Focus", er rechne mit hohen Entschädigungssummen. Sie dürften kaum von dem bei Flugzeugunfällen in den USA üblichen Schadenersatzzahlungen von 2,7 Millionen Dollar pro Opfer abweichen.

(RPO Archiv)
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