Entlastung durch genetische Spurenanalyse: Nach 16 Jahren: Brite von Mordvorwurf freigesprochen

Entlastung durch genetische Spurenanalyse : Nach 16 Jahren: Brite von Mordvorwurf freigesprochen

Münster (rpo). Die genetische Spurenanalyse brachte einem 41-jährigen Briten nach fünf Jahren Gefängnis die Freiheit. Nach fast 16 Jahren wurde er vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Das Landgericht Münster hob am Dienstag ein Urteil auf, wonach der frühere Soldat der Rheinarmee eine 18- jährige Schülerin vergewaltigt und erwürgt haben sollte.

Entgegen bisheriger Annahme stammte das beim Opfer gefundenes Sperma nicht vom ihm. Nach Feststellung der 11. Großen Strafkammer hatten sich der Soldat und das spätere Opfer im Juni 1985 in einer Discothek im ostwestfälischen Lübbecke getroffen.

Im Laufe des Abends zogen sie sich in eine Ecke des Lokals zurück und tauschten Zärtlichkeiten aus. Gegen 03.30 Uhr machten sich beide zusammen mit einer Bekannten der Schülerin auf den Heimweg. Nach wenigen Minuten trennte sich die Zeugin an einer Straßenecke von dem Paar. Was danach geschah, ließ sich nicht aufklären. Die Leiche der jungen Frau war am Morgen auf dem Gelände einer nahe gelegenen Grundschule gefunden worden.

Die Beweisaufnahme während der insgesamt sieben Verhandlungstage war erschwert, weil sich der Angeklagte und Zeugen nur noch schwach an die Geschehnisse in der Tatnacht erinnern konnten. Gutachten zu Textilfaser-Spuren brachten keine eindeutigen Hinweise. Aus Mangel an Beweisen sprach das Gericht den Angeklagten daher frei. Ihm steht eine Entschädigung von rund 18 000 Euro für die zu Unrecht verbüßte Haft von fünf Jahren zu.

Etwa achteinhalb Jahre war der gelernte Kraftfahrer, der heute wieder in Großbritannien lebt, bereits inhaftiert. Das Landgericht Bielefeld hatte ihn 1986 in erster Instanz wegen Mordes und Vergewaltigung sowie wegen einer länger zurück liegenden versuchten Vergewaltigung verurteilt. Die Teilstrafe von dreieinhalb Jahren wegen der versuchten Vergewaltigung bleibt rechtskräftig. Das Wiederaufnahmeverfahren war auf Betreiben der Verteidigung ins Rollen gekommen. Im Zuge der nachträglichen Ermittlungen war auch die Leiche eines früheren Freundes des Opfers exhumiert worden.

(RPO Archiv)
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