Musikfestival Coachella: Modebranche verkauft Festival-Fashion

Coachella in Kalifornien : Mit Netzstrümpfen und rosa Täschchen aufs Festival

Auf dem Coachella-Festival in der kalifornischen Wüste scheint das Outfit der Besucher wichtiger zu sein als die Musik. Inzwischen bieten Modehäuser eigene Festival-Kollektionen an. Aber taugen die was?

Was braucht man für ein Musikfestival? Ein wasserdichtes Zelt, einen Gaskocher, Kaffee, Klopapier fürs Dixie-Klo und Flip Flops für die Gemeinschaftsduschen. Auf dem Coachella Valley Music and Arts Festival im kalifornischen Indio ist das anders: Instagram-Sternchen, Influencer, aber auch viele echte Promis machen das Festivalgelände in der Colorado-Wüste zum Laufsteg.

Hier wirken Lipgloss und Glätteisen statt Gaskocher, Häkelklamotten zeigen viel nackte Haut, Bloggerinnen wie die 23-jährige Caro Daur aus Hamburg feiern sich selbst in Kleidern von französischen Luxuslabels – mit silbernem Handtäschchen. Das sah bei Kate Moss 2005 auf dem englischen Glastonbury Festival noch sehr viel lässiger – und festivaltauglicher – aus: Zigarette in der einen und Bier in der anderen Hand stolperte das Model in Gummistiefeln durch den Matsch. Kate Moss trug damals Stiefel der Marke „Hunter“, die auch heute noch den „Festival Look“ prägen. Unter dem Stichwort findet man sie beim Online-Versandhändler Zalando. Daneben gibt es schwarze Bustiers, die guten alten Dr.-Martens-Stiefel oder eine Prada-Sonnenbrille für 234,95 Euro – wenn die im Getümmel vor der Bühne verloren geht, dürfte der Schmerz groß sein.

Das Coachella-Festival mit Auftritten von Künstlern wie Ariane Grande, Sofi Tukker, Tame Impala oder der Gucci Gang läuft schon seit vergangenem Wochenende. Es galt seit 1999 immer als weltoffen und liberal, doch der Gründer des Festivals, Philip Anschutz, ist umstritten. Er soll Politiker unterstützt haben, die gegen die Reformierung der Waffengesetze in den USA sind. Die Gruppe „Freedom for all Amercians“, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender einsetzt, kritisiert außerdem, dass der 79-Jährige homophoben Organisationen Geld gespendet habe. Der Milliardär nannte die Anschuldigen „Fake News“.

Ein normales Ticket für das Coachella-Festival kostete 429 Dollar, das sind etwa 380 Euro. Die Karten sind auch für das Osterwochenende schon ausverkauft. Doch der Festival-Sommer ist noch nicht gestartet, und so bietet die Modebranche eigene Festival-Kollektionen an – die auch den eher unprominenten Besucher ansprechen sollen, der etwa das Haldern Pop Festival am Niederrhein besuchen will.

Die schwedische Kette Hennes & Mauritz hat schon vor einigen Jahren die Kollektion „H&M loves Coachella“ herausgebracht. Inzwischen zeigt auch das Versandhaus Otto auf seiner Homepage den „Coachella-Style“ und verspricht: „So bekommt ihr die perfekten Festival-Outfits!“ Eine schwarze Wildledertasche mit Fransen gehört zur Auswahl, ein goldenes Collierkettchen, Jeans-Shorts und ein Blumenprint-Kimono. Unter dem Stichwort „Parookaville“ gibt es bei Deichmann Sneaker, Sandalen und Espadrilles. Das Elektronic-Festival startet in diesem Jahr am 19. Juli in Weeze.

Der britische Online-Versandhandel Asos bietet ebenfalls eine eigene Kategorie für Festival-Bekleidung an – dort gibt es die Oversize-Netzstrumpfhose, ein Fischnetzstoffoberteil oder eine Gürteltasche aus Cord in Rosa. Wie alltagstauglich die Kleidung auf Festivals ist, scheint insgesamt eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wer schon einmal morgens um Vier auf einem Festivalgelände sein Zelt gesucht hat, wird neben der Netzstrumpfhose zumindest auch eine Taschenlampe einpacken.

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