Karl Lagerfelds letzte Chanel-Kollektion: Abschied vor romantischer Alpenkulisse

Chanel-Kollektion: Karl Lagerfelds letzter Gruß im Grand Palais

Auf der Pariser Fashion Week zeigt Chanel die letzte Kollektion von Karl Lagerfeld. Zelebriert wird ein diskreter und würdevoller Abschied von der verstorbenen Legende.

Jeder will diesen historischen Augenblick mit nach Hause nehmen. Die Besucher drängeln sich vor der makellosen Kulisse eines Skiortes. Handys werden gezückt, um vor der Berglandschaft mit romantischen Chalets und rauchenden Kaminen in verschneiter Kunstschneewunderlandschaft ein Selfie zu knipsen. Karl Lagerfeld hätte diesen Moment genossen, jener Mann, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder den schönen Schein im Pariser Grand Palais Wirklichkeit werden ließ.

Nach dem Tod des letzten großen Modezaren am 19. Februar war ein großes Geheimnis um die Abschlussshow und gleichzeitig Höhepunkt der Pariser Fashion Week gemacht worden. Die Models zeigten in diesem Jahr die letzten, von Lagerfeld entworfenen Roben. Nur eines wurde deutlich: Es war ein Abschied und ein Anfang zugleich. „The beat goes on…“ stand in den Einladungskarten, darunter eine von Lagerfelds berühmten Zeichnungen: der Meister an der Seite von Coco Chanel.

Doch bevor die große Show begann, wurde es noch einmal sehr ruhig im Grand Palais. Mit einer Schweigeminute gedachte das Publikum dem verstorbenen Genie der Modebranche. Danach stand aber - auch dies ganz im Sinne von Karl Lagerfeld - wieder das pralle Leben im Mittelpunkt. Wie immer ging es dabei natürlich auch um das Sehen und Gesehen werden. In der ersten Reihe saß natürlich Claudia Schiffer, langjährige Muse des Modemachers, daneben Naomi Campbell, die Schauspielerinnen Kristen Stewart und Monica Bellucci und natürlich die Familie Wertheimer, die Eigentümer des Modeunternehmens Chanel. Karl Lagerfeld war es, der dem Label in den Achtzigerjahren neues Leben eingehaucht und zu neuem, mondänem Schick verholfen hatte.

Das erste Model lief in einem cremefarbenen, karierten Tweedoverall und einem langen schwarz-weißen Tweedmantel mit großem Hahnentrittmuster über den Laufsteg. Dies waren also die letzten Ideen von Karl Lagerfeld für den Winter 2019/2020. Daneben waren elegante Marlene-Dietrich-Hosen zu sehen, die hoch in der Taille sitzen, Kleider und Röcke im Norwegermuster und teddyfellbesetzte Schneestiefel. Extravagant waren vor allem die kurzen Dreiviertel-Leggings aus Tweed, die unter kurzen Kleidern getragen wurden. Beendet wurde die Show von Penelope Cruz in einem schneeweißen, kurzen Ballonrock und einer weißen Rose in der Hand.

Bevor die Models ihre Abschlussrunde zu David Bowies „Heroes“ drehten, kam Lagerfelds Nachfolgerin Virginie Viard fast unbemerkt aus dem Chalet, um sich kurz zu verbeugen. Sie wird in Zukunft für die Kollektionen von Chanel verantwortlich sein, hielt sich in diesem Moment aber diskret zurück und verschwand sofort wieder. Am Ende bewegte sich kein Gast von seinem Platz. Es war, als warteten alle darauf, dass Karl Lagerfeld doch noch auftreten würde. Ein bewegender Moment, bei dem die Modewelt ihrem großen Star noch einmal die letzte Ehre erwies.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die letzte Lagerfeld-Kollektion auf der Chanel-Show in Paris

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