Hollywood sei Dank: Die Latzhose — das neue alte Lieblingsstück

Hollywood sei Dank : Die Latzhose — das neue alte Lieblingsstück

Die Jeansvariante ist bei vielen Hollywood-Stars wieder in. Der Klassiker aus den 1990ern feiert ein Revival, nachdem er lange nur von Kindern getragen wurde.

Die beliebte US-Serien-Familie "Die Waltons" (1972 bis 1981) hat auf den ersten Blick wenig bis gar nichts mit Hollywood-Schönheiten wie Keira Knightley, Naomi Watts oder Kate Bosworth gemein. Auf den zweiten Blick hingegen fällt auf, dass sie - obgleich aus völlig verschiedenen Welten und Zeiten - modisch auf der selben Wellenlänge liegen. Sie alle tragen Latzhose. Die in den USA als Arbeiterkleidung entstandene Hose wird längst nicht mehr nur von Farmern und Landarbeitern genutzt. Immer mal wieder erlebt die bequeme Jeansvariante ein Revival — zuletzt in den 1990ern. In den 1970ern war sie vor allem in der Ökoszene sehr beliebt. Und jetzt ist sie zurück — Hollywood sei Dank.

Denn viele Modetrends entstehen in der Filmbranche. Nicht lange, und alle großen Modeketten springen auf den Erfolgszug auf. Und so dürfen sich auch die Deutschen wieder in das bequeme Stück werfen. H&M, S. Oliver, Mango, Mustang und Lee - sie alle haben die Latzhose wieder in ihr Sortiment aufgenommen. Sogar hochpreisige Labels wie Armani lassen sie nähen. Doch warum die Latzhose, die in den vergangenen Jahren eher von Kindern und Schwangeren getragen wurde? "Weil sie jung ist", sagt Beate Welp-Gerdes, Leiterin der Schule für Modemacher im Bereich Produktmanagement in Münster.

Jung — und das im doppelten Sinne. Denn Jeans an sich sei bereits ein Synonym für Jugend. "Früher haben die Älteren keine Jeans getragen — heute ist das anders. Wer Jeans trägt, macht sich damit gleich fünf Jahre jünger", so die Expertin. Einst war sie die klassische Arbeiterhose, "dann kam Elvis, und da begann die Erfolgsgeschichte", sagt Welp-Gerdes. Seitdem erfindet sich die Jeans in der einen oder anderen Version immer mal wieder neu, und sei es nur die Art, wie man sie trägt. Jeans etwa ist heute mit Hemd und Sakko kombinierbar. "Bei der Latzhose war es in den 90ern cool, einen Träger herunterhängen zu lassen", weiß Welp-Gerdes. Und sie weiß auch, warum diese Hose gerade jetzt zurück ist. In der Mode gebe es immer entgegengesetzte Tendenzen: Ein Jahr ist der Mini-Rock in, im nächsten der Midi-Rock — länger, weiter, gerne im floralen Muster.

Zu jedem Trend gibt es einen Kontrast

Genau so sei es jetzt mit der Latzhose. Vor einigen Jahren avancierte die eng anliegende Röhrenjeans zum Trendkleidungsstück. Kurz danach die Gegenbewegung: Lässig sitzende Jeans, die sogenannten Boyfriend-Hosen. "Zu jedem Trend gibt es einen Kontrast. Das macht Mode so spannend", schwärmt Welp-Gerdes. Die extrem tiefsitzende Boyfriend-Hose wird daher auch gerade wieder abgelöst, und zwar von der High-Waist-Jeans, dem Klassiker aus den 1980ern, der nicht auf der Hüfte, sondern weit über dem Bauchnabel sitzt. Die Latzhose kombiniert nun alles miteinander: Es gibt sie locker und lässig im Boyfriend-Style, aber auch eng anliegend und elegant.

Damit die Jeans-Erfolgsgeschichte nicht allzu redundant wird, lassen sich die Hersteller hier und da auch mal etwas ganz Neues einfallen. So kam es, dass sie in den 1980er Jahren die "stone-washed" Jeans kreierten. Dadurch bekam die Hose den "used"-Look: Aufgeriebene Stellen und Löcher waren ein Muss. "Die Arbeiter in den produzierenden Ländern wie China haben sich natürlich gewundert, dass sie die Hosen jetzt auch noch kaputt machen sollten", erklärt Welp-Gerdes.

Der jüngste Neuzugang in der Familie ist die Jogg-Jeans. Das Denim-Urgestein Diesel feiert mit dieser Mischung aus Jogginghose und Jeans derzeit einen Erfolg. Seit ihrer Markteinführung vor vier Jahren habe man weit mehr als eine Million Exemplare verkauft, so das Unternehmen. Mit dem Klassiker hat diese Variante nur optisch zu tun. Denn die authentische Jeans ist aus Denim, einem robusten Baumwollfaserstoff, und enthält kein Elastan. Die Jogg-Jeans hingegen besteht aus 90 Prozent Baumwolle, acht Prozent Polyester und zwei Prozent Elastan. Letzteres ist eine äußerst dehnbare Chemiefaser, durch die die Jogg-Jeans sogar im Bett tragbar wird. Im Gegensatz zur Jeggins, der Leggins in Jeansoptik, ist die Jogginghosenvariante mit Taschen und Knöpfen versehen.

Noch wurden Keira Knightley und Co. nicht mit Jogg-Jeans gesichtet. Sollte sich der Trend in Hollywood durchsetzen, löst sie im kommenden Jahr vielleicht die Latzhose ab. So oder so, der nächste Trend kommt bestimmt.

(RP)
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