Riesige Müllberge: Mit dem Kaffee im Papp-Becher soll bald Schluss sein

Riesige Müllberge: Mit dem Kaffee im Papp-Becher soll bald Schluss sein

Der "Coffee to go" im Pappbecher mag stillos sein. Umweltfreundlicher lässt sich der Unterwegs-Kaffee aus Mehrwegbechern genießen. Hat die Pappe bald ausgedient?

Austrinken - und zack, in die Tonne. So geht es vielen Kaffeetrinkern in Deutschland, jeden Tag. Der Coffee to go im Pappbecher ist beliebt. Man bekommt ihn auf dem Weg zur Arbeit oder für die spontane Kaffeepause an fast jeder Ecke. Das hat Folgen: Papierkörbe quellen über, Parks und Spielplätze vermüllen. Viele tausend Tonnen Müll fallen durch die Einwegbecher jedes Jahr an. Recyceln lassen sie sich nicht. Die Alternative: Pfand-Becher, die sich viele Male befüllen lassen. Die gibt es inzwischen in vielen Städten. Aber wie kommen sie bei Kaffeefans an? Und was sagen die Umweltschützer?

Beispiel Hannover "Hannocino" heißt der rote Mehrwegbecher in Hannover, den man gegen zwei Euro Pfand in 150 Cafés und Geschäften bekommt. Er besteht überwiegend aus Bestandteilen, die biologisch abbaubar sind. Im vergangenen August haben die Stadt und der Abfallwirtschaftsbetrieb aha den "Hannocino" eingeführt. 50.000 sind zurzeit im Umlauf - und könnten nach Schätzungen von aha mindestens 5,2 Millionen Pappbecher im Jahr einsparen. Gefragt ist er vor allem in der Innenstadt und in den Szene-Vierteln. "Es geht auch immer darum: Wie aufgeklärt sind die Menschen, und wie sehr setzen sie auf Nachhaltigkeit?", sagt Sprecherin Helene Herich.

Beispiel Freiburg Schon etwas mehr Erfahrung haben die Freiburger. Seit eineinhalb Jahren können Kunden in 112 Betrieben gegen einen Euro Pfand den "FreiburgCup" aus recyclingfähigem Kunststoff bekommen. "Unsere Mehrwegbecher kommen überwiegend bei jungen Leuten gut an", sagt Dieter Bootz vom Abfallwirtschaftsbetrieb ASF. Rund um die Uni nutzten 60 Prozent der Coffee-to-go-Trinker den weiß-grünen "FreiburgCup", woanders nur 20 bis 25 Prozent. Der Grund: "Es gibt Leute, die sind ihren Pappbecher gewohnt. Manche bestehen einfach drauf", sagt Bootz. Und die großen Kaffee- und Imbissketten - die den Großteil des To-go-Verkaufs ausmachen - beteiligen sich wie in Hannover nicht an dem System.

Beispiel Oldenburg Auch in Oldenburg sind zunehmend mehr Menschen mit einem Pfandbecher in der Hand unterwegs, sagt Stadtbaurätin Gabriele Nießen. Im vergangenen September hat die Stadt ein Mehrweg-System eingeführt. 50 Geschäfte geben die 8500 Becher mit Stadt-Silhouette gegen einen Euro Pfand aus. Doch das System sei noch nicht bei allen Kunden angekommen: "Wenn die Becher nicht vorne auf der Theke stehen und offensiv angeboten werden, läuft es schlechter." Deshalb will die Stadt noch einmal alle Gastronomen anschreiben.

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Umweltschützer Ob Hannover, Freiburg oder Oldenburg - in keiner Stadt funktionieren die Mehrwegbecher-Systeme perfekt. Die Deutsche Umwelthilfe sieht sie trotzdem als Erfolg. "Die Erfahrungen werden auf lokaler Ebene gemacht", sagt Thomas Fischer, Leiter Abfallpolitik und Kreislaufwirtschaft. Das Ziel müsse ein bundesweites Pfandsystem sein, wie das für Getränkeflaschen. "Die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen. Die Benutzung der Mehrwegbecher muss so einfach sein wie die der Einwegbecher." Zurzeit landen davon jährlich fast drei Milliarden auf dem Müll - Tendenz steigend. Deshalb sieht Fischer auch die Politik gefordert: Unternehmen und Kunden müssten mehr bezahlen, wenn sie Einweg statt Mehrweg benutzten.

Start-Up Ein bundesweites Pfandsystem für Mehrwegbecher - das wollen auch Fabian Eckert und Florian Pachaly erreichen. Ihr Plan: Den Einwegbecher komplett aus den Cafés verbannen. "Das ist so unglaublich unnötig", sagt Eckert. Deshalb entwickelten die beiden Münchner Jungunternehmer den "Recup", einen Mehrwegbecher aus stabilem Kunststoff. Im September 2016 starteten sie ihr Pilotprojekt im nahen Rosenheim. Seitdem hat es mehr als 20 Städte erreicht, darunter München, Berlin, Köln, Oldenburg und seit kurzem auch Hamburg.

Die Alternative Pfandbecher für den Kaffee auf die Hand sind nachhaltiger als Pappbecher. Doch auch ihre Herstellung und das Recycling verschlingen Ressourcen. "Den eigenen Mehrwegbecher dabei zu haben, wäre ökologisch das Beste", sagt Julia Post, die vor drei Jahren die Initiative "Coffee to go again" gegründet hat. Teilnehmende Cafés füllen Kaffee nicht nur in mitgebrachte Becher ab, sondern belohnen die Kunden dafür zum Beispiel mit einem Rabatt. Mehr als 500 Betriebe in Deutschland tragen inzwischen das Logo der Kampagne.

Doch seinen eigenen Becher die ganze Zeit mitschleppen, darauf haben nur wenige Kaffeetrinker Lust. Ein Bruchteil der Verbraucher sei dazu bereit, sagt Thomas Fischer von der Umwelthilfe: "Das ist den meisten zu viel Aufwand." Und spontan ist der Coffee to go dann auch nicht mehr - an den Becher muss man schon vorher denken. Einfacher wäre es wohl, den Kaffee mal wieder in Ruhe im Café zu genießen. Ganz ohne to go.

(dpa)